Novo Nordisk hat seine Belegschaft zu einem Townhall-Meeting eingeladen, um über das „nächste Kapitel“ des Unternehmens zu sprechen. Der Termin liegt nur wenige Tage vor dem Kapitalmarkttag am 21. September – und die Wahl des Zeitpunkts dürfte kein Zufall sein.

Analystenkritik belastet die Aktie

Am Freitag stufte Morgan Stanley die Aktie von Equalweight auf Underweight herunter. Der zuständige Analyst Thibault Boutherin begründete den Schritt mit einem verhaltenen mittelfristigen Wachstumsausblick und der Sorge vor dem Patentablauf von Semaglutid.

Morgan Stanley rechnet für 2027 nur mit einem Umsatz- und Ebit-Wachstum von 2 bis 3 Prozent, für den Zeitraum 2027 bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 4 Prozent bei Umsatz und Ebit – deutlich weniger als die vom Analysten für den breiteren europäischen Pharmasektor erwartete Rate von 4 Prozent Umsatz- und 7 Prozent Ebit-Wachstum.

Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kursrückgang von 2,6 Prozent und setzte damit eine Talfahrt fort, die den Titel binnen sieben Handelstagen bereits um 7,6 Prozent nach unten gedrückt hat.

Kern der Kritik ist die massive Abhängigkeit von einem einzigen Wirkstoff: Semaglutid soll 2026 rund 75 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen. Der Patentschutz läuft in Europa und den USA Anfang bis Mitte der 2030er Jahre aus.

Morgan Stanley geht davon aus, dass der Wirkstoff selbst 2031, wenn die ersten Auswirkungen des Patentablaufs einsetzen, noch immer 59 Prozent des Umsatzes tragen wird – ein Klumpenrisiko, das die Bank als zu hoch für das aktuelle Bewertungsniveau einstuft.

Verschärft wird die Lage durch eine hauseigene Umfrage von Morgan Stanley unter 200 US-Hausärzten sowie aktuelle Verschreibungsdaten. Beide Quellen deuten darauf hin, dass Novo Nordisk in den kommenden 18 Monaten Marktanteile an Eli Lillys Präparate Zepbound, Mounjaro und Foundayo verlieren könnte, ab 2027 zusätzlich an das Konkurrenzmittel Retatrutide.

Zudem hat sich das Wachstum der Wegovy-Tablette nach einem starken ersten Halbjahr 2026 zuletzt abgeschwächt, während Zepbound Medienberichten zufolge seit Start des sogenannten Bridge-Programms den Großteil der Medicare-Patienten für sich gewinnen konnte.

Rückkäufe laufen weiter, Kritik an der Pipeline bleibt

Trotz der schwierigen Nachrichtenlage hält Novo Nordisk an seinem Aktienrückkaufprogramm fest: Bis zum 4. September wurden gut 32 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 281,63 dänischen Kronen zurückgekauft, was einem Transaktionsvolumen von rund 9,02 Milliarden Kronen entspricht. Das Signal an den Markt ist klar – das Management sieht die Aktie als unterbewertet an, auch wenn Analysten skeptischer werden.

Nicht alle Stimmen sind negativ. HSBC hatte am 9. September das Kursziel von 300 auf 320 dänische Kronen angehoben, ein Kontrapunkt zur Skepsis von Morgan Stanley.

Der Blick nach vorn

Die Einladung zum Townhall-Meeting, unmittelbar vor dem Kapitalmarkttag in London, dürfte die interne Debatte über die künftige Strategie widerspiegeln.

Für Anleger wird der 21. September zur entscheidenden Marke: Dort muss das Management zeigen, wie es die Abhängigkeit von Semaglutid abbauen und die verlorenen Marktanteile im GLP-1-Segment zurückgewinnen will. Bis dahin bleibt die Aktie mit einem RSI von 34,1 in überverkauftem Terrain – ein Hinweis darauf, dass die Verunsicherung unter Investoren bereits weit fortgeschritten ist.