Novo Nordisk hat vor einem niederländischen Gericht einen wichtigen Patentstreit gewonnen. Das Bezirksgericht Den Haag erließ am 5. August eine einstweilige Verfügung gegen das Unternehmen Ceban Ziekenhuisfarmacie, das eine kompoundierte Semaglutid-Nasenspray-Version vertrieben hatte. Das Gericht sah eine Verletzung des ergänzenden Schutzzertifikats von Novo Nordisk als erwiesen an.

Ceban muss den Verkauf des Präparats sofort einstellen, Produktlistungen entfernen, Angaben zur Lieferkette offenlegen und die Prozesskosten von Novo Nordisk erstatten. Das europäische Verbindungspatent für Semaglutid (EP 1 863 839) war zwar bereits im März ausgelaufen, das ergänzende Schutzzertifikat in den Niederlanden verlängert den Schutz jedoch bis zum 19. März 2031.

Nachahmerprodukte bleiben ein Dauerthema

Der Fall zeigt, wie stark Novo Nordisk seine geistigen Eigentumsrechte rund um Semaglutid verteidigt, während parallel günstigere Nachbauten und Compounding-Anbieter versuchen, vom Boom der GLP-1-Präparate zu profitieren.

Für Anleger ist der juristische Erfolg ein Signal, dass zumindest in Europa die Patentbarrieren noch tragfähig sind – ein Aspekt, der angesichts wachsender Konkurrenz um Wegovy und die orale Semaglutid-Pille an Bedeutung gewinnt.

Der Rückenwind aus dem Gerichtssaal ändert an der Kursentwicklung bislang wenig. Die Aktie notiert aktuell bei 39,34 Euro und büßte allein in den vergangenen sieben Handelstagen 4,6 Prozent ein. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 11 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro aus dem Januar klafft mittlerweile eine Lücke von 28 Prozent.

Belastungsfaktoren überlagern juristische Erfolge

Der Kursdruck speist sich aus mehreren Quellen, die den Rechtssieg in den Hintergrund drängen. Die Ergebnisse der ZEUS-Studie zu Ziltivekimab hatten Ende Juli enttäuscht: Der Wirkstoff zeigte zwar die erwartete Wirkung auf Entzündungsmarker, senkte aber das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nicht signifikant gegenüber Placebo. Diese Nachricht wirkt seither nach.

Auch das Kapitalrückkaufprogramm, das Novo Nordisk zuletzt aufgestockt hatte, konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. Bis zum 7. August hatte das Unternehmen im laufenden Programm bereits knapp 27,9 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 279,01 dänischen Kronen zurückgekauft. Ein weiteres Rückkaufprogramm über bis zu 11,2 Milliarden Kronen läuft bis Februar 2027.

Am heutigen Montag wird zudem die Dividende von 0,579 US-Dollar ex-Tag notiert, was den Kurs technisch zusätzlich belastet. Der RSI von rund 40 signalisiert keine überverkaufte Lage, während der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von minus 5 Prozent den kurzfristigen Abwärtstrend unterstreicht.

Blick nach vorn

Anleger richten den Fokus nun auf den Capital Markets Day am 21. September, bei dem Novo Nordisk seine strategische Ausrichtung für die kommenden Jahre präzisieren dürfte. Bis dahin bleibt der juristische Erfolg gegen Nachahmerprodukte ein positiver, aber isolierter Lichtblick in einem von Studienenttäuschungen und Wettbewerbsdruck geprägten Umfeld.