Nach Monaten der Verunsicherung liefert Novo Nordisk wieder positive Nachrichten. Der dänische Pharmakonzern hob am Dienstag seine Jahresprognose an, meldete solide Quartalszahlen und markierte zugleich einen Meilenstein bei seiner Diät-Pille. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kursplus von 2,81 Prozent auf 41,04 Euro, nachdem sie am Donnerstag noch bei 39,92 Euro geschlossen hatte. Damit notiert das Papier nahezu exakt auf seinem 50-Tage-Durchschnitt von 41,02 Euro – ein Zeichen, dass sich der jüngste Abwärtstrend zumindest kurzfristig stabilisiert.

Angehobene Prognose und solides Wachstum

Im zweiten Quartal 2026 steigerte Novo Nordisk den bereinigten Umsatz um 7 Prozent zu konstanten Wechselkursen, der bereinigte Betriebsgewinn legte um 11 Prozent zu. Getragen wurde das Wachstum von steigenden GLP-1-Absatzmengen in mehreren Regionen sowie von günstigen Anpassungen bei US-Rabattvereinbarungen. Auf Basis dieser Entwicklung hob das Unternehmen seine Jahresprognose für 2026 deutlich an: Statt eines Rückgangs von 4 bis 12 Prozent bei Umsatz und Betriebsgewinn zu konstanten Wechselkursen rechnet der Konzern nun mit einer Spanne von 0 bis minus 6 Prozent. Die Bandbreite der Erwartungen hat sich damit spürbar verschoben – von einem klar negativen Szenario zu einem, das im besten Fall sogar Stagnation statt Rückgang bedeutet.

Beim Sparprogramm kommt Novo Nordisk ebenfalls voran. Der bereits im dritten Quartal 2025 angekündigte konzernweite Umbau soll Einsparungen von 8 Milliarden dänischen Kronen bringen. Die Belegschaft ist im Zuge dieser Transformation auf rund 66.700 Vollzeitstellen gesunken, ein Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wegovy-Pille erreicht Meilenstein, doch Bedenken bleiben

Ein zentraler Baustein der Wachstumsstory ist die orale Wegovy-Tablette. Seit dem Marktstart wurden mehr als 5 Millionen Rezepte ausgestellt, gleichzeitig läuft die Einführung der höher dosierten Variante Wegovy HD mit 7,2 Milligramm. Beim Ergebnistelefon am Mittwoch verteidigte der Vorstandschef die Wirtschaftlichkeit der Pille, wie CNBC berichtete. Investoren richteten ihre Fragen jedoch auf den Preisdruck im Markt, die Qualität des Ergebniszuwachses und darauf, ob die orale Variante angesichts der Konkurrenz von Eli Lilly nachhaltiges Wachstum liefern kann.

Analysten, die von CNBC zitiert wurden, ordneten den Ergebnissprung differenziert ein: Das bessere Quartalsergebnis gehe vor allem auf Rabattanpassungen und temporäre Effekte zurück. Die Umsätze mit Adipositas-Präparaten lägen weitgehend im Rahmen der Erwartungen, die orale Wegovy-Variante habe die Prognosen jedoch leicht verfehlt. Zusätzliche Fragezeichen wirft der Kombinationswirkstoff CagriSema auf, der erneut ein gemischtes klinisches Ergebnis lieferte und damit Zweifel an der längerfristigen Pipeline nährt.

Milliardenabschreibung und gescheiterte Studie

Die guten Nachrichten aus dem operativen Geschäft haben ihren Preis. Novo Nordisk verbuchte im zweiten Quartal 2026 nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 6,3 Milliarden dänischen Kronen auf immaterielle Vermögenswerte in der Forschungspipeline, allein 4,0 Milliarden Kronen davon entfielen auf den Wirkstoff Monlunabant. Weitere Belastungen zeichnen sich bereits ab: Die Phase-3-Studie ZEUS zu Ziltivekimab zeigte zwar eine Wirkung auf den IL-6-Signalweg, verfehlte aber am 31. Juli das Ziel, das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Arteriosklerose, chronischer Nierenerkrankung und Entzündungswerten zu senken. Die Hazard Ratio lag bei 0,99. Das Unternehmen kündigte an, dass dieses Studienergebnis im dritten Quartal 2026 zu einer weiteren nicht zahlungswirksamen Abschreibung führen wird – die bereinigte Betriebsgewinnprognose für das Gesamtjahr bleibe davon jedoch unberührt.

Auf der Erfolgsseite verbuchte der Konzern einen juristischen Sieg: Das Gericht in Den Haag erließ am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen die niederländische Ceban Ziekenhuisfarmacie B.V. und untersagte den sofortigen Verkauf eines kompoundierten Semaglutid-Nasensprays, das nach Ansicht von Novo Nordisk geistige Eigentumsrechte verletzt. Parallel setzt der Konzern sein Aktienrückkaufprogramm fort: Bis zum 3. August erwarb Novo Nordisk im Rahmen des am 4. Februar 2026 gestarteten 15-Milliarden-Kronen-Programms rund 27,06 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 278,35 Kronen, was einem Transaktionsvolumen von umgerechnet 7,53 Milliarden Kronen entspricht.