Der Wettlauf um den milliardenschweren Markt für Abnehmmedikamente wird nach Einschätzung von Novo-Nordisk-CEO Mike Doustdar kein Duell mit nur einem Gewinner. Er widersprach damit der Sorge vieler Anleger, Eli Lilly könnte den dänischen Konkurrenten im Geschäft mit Adipositas-Präparaten dauerhaft abhängen.
Differenzierung durch neue Darreichungsformen und eine breitere Produktpalette sollten Novo im Rennen halten, sagte Doustdar am 13. August laut Reuters. Als zentralen Hoffnungsträger nannte er die Wegovy-Pille.
Die orale Variante des Wirkstoffs Semaglutid ist inzwischen kein Zukunftsversprechen mehr, sondern zugelassenes Produkt: Die Europäische Kommission erteilte der Wegovy-Pille am 15. Juli die Marktzulassung, nachdem die Europäische Arzneimittelagentur zuvor bereits eine positive Empfehlung ausgesprochen hatte. Damit verfügt Novo Nordisk in Europa über ein orales GLP-1-Präparat, das direkt mit den Ambitionen von Eli Lilly konkurriert.
Lilly zieht in Großbritannien nach
Der Konkurrenzdruck bleibt dennoch hoch. Eli Lilly erhielt am 10. August die erste europäische Zulassung für seine eigene Abnehmpille Foundayo – in Großbritannien. Reuters ordnete dies als weiteren Schritt in der Verschärfung des Wettbewerbs um orale GLP-1-Präparate ein. Für Anleger bedeutet das: Der Zulassungsvorsprung, den Novo Nordisk sich mit der EU-Genehmigung erarbeitet hat, dürfte nicht von Dauer sein.
Doustdar reagiert darauf mit einer klaren Ansage in Richtung Wachstum durch Zukäufe. Novo Nordisk wolle Forschungstempo erhöhen und gezielt kleinere, ergänzende Übernahmen prüfen, um die Pipeline zu stärken, berichtete Reuters unter Berufung auf Aussagen des Managements.
Diese Strategie folgt auf die im Rahmen der Halbjahreszahlen angehobene Jahresprognose vor rund zwei Wochen, die den Kurs seither nur moderat um 2,8 Prozent voranbrachte – ein Zeichen dafür, dass operative Fortschritte allein die Investoren derzeit nicht überzeugen.
Rechtliche Rückenwind-Signale
Auf der juristischen Seite kann Novo Nordisk zwei Erfolge verbuchen. Ein US-Bundesgericht wies Anfang August eine Klage der Apotheke Strive Specialties ab, die dem Unternehmen gemeinsam mit Eli Lilly vorgeworfen hatte, individualisierte Nachbauten der Abnehmmedikamente illegal blockiert zu haben.
Novo Nordisk zeigte sich mit der Entscheidung zufrieden. Zudem erwirkte das Unternehmen in den Niederlanden eine einstweilige Verfügung gegen die Ziekenhuisfarmacie Ceban wegen Verletzung eines Semaglutid-Patents – das Gericht ordnete die Einstellung der beanstandeten Aktivitäten sowie die Offenlegung von Lieferketteninformationen an.
Weniger erfreulich verlief dagegen ein Rückschlag bei der Produktion: Der Partner Scholar Rock strich eine von Novo Nordisk betriebene Fertigungsstätte in Indiana aus einem Zulassungsantrag bei der US-Arzneimittelbehörde, nachdem eine Inspektion im April erhebliche Compliance-Mängel offengelegt hatte. Die Anlage stammt aus der 2024 abgeschlossenen Übernahme von Catalent.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus regulatorischem Fortschritt und Wettbewerbsdruck in einer angeschlagenen Kursentwicklung wider. Die Aktie notiert derzeit rund 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, das im Januar erreicht wurde.
Der jüngste Handelstag brachte zwar ein Plus von 1,6 Prozent auf 39,48 Euro, auf Monatssicht steht aber weiterhin ein Minus von 9,2 Prozent zu Buche. Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die Wegovy-Pille und die angekündigte Zukaufstrategie ausreichen, um im direkten Vergleich mit Eli Lilly wieder Boden gutzumachen.
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