Novo Nordisk hat einen wichtigen Etappensieg errungen. Die EU-Kommission genehmigte am 15. Juli 2026 die Wegovy-Tablette als ersten oralen GLP-1-Wirkstoff gegen Übergewicht. Zusätzlich erhielt eine neue, höher dosierte Injektionsform grünes Licht.

Die tägliche Pille mit 25 Milligramm Semaglutid ist damit in allen EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein verfügbar. Grundlage der Zulassung ist das OASIS-Studienprogramm. Dort zeigte die 25-mg-Dosis einen statistisch signifikanten Gewichtsverlust von rund 17 Prozent über 68 Wochen.

Tablette statt Spritze

Parallel zur Pille genehmigte die Behörde eine 7,2-mg-Injektion über einen Einwegpen. Novo Nordisk erweitert damit sein Wegovy-Portfolio um eine flexible Option zwischen täglicher Tablette und wöchentlicher Spritze.

CEO Mike Doustdar begründet den Schritt mit einer klaren Beobachtung: Viele Patienten scheuen Injektionen. Die Tablettenform soll genau diese Zurückhaltung auffangen.

Produktion läuft auf Hochtouren

Um die neuen Präparate weltweit ausliefern zu können, baut Novo Nordisk seine Fertigungskapazitäten kräftig aus. Im tschechischen Bohumil hat der Konzern nach einer Investition von umgerechnet rund 360 Millionen Dollar die Produktion sogenannter Trägerproteine gestartet — eine Vorstufe für Diabetes- und Adipositas-Wirkstoffe der nächsten Generation.

Weitere Ausbauschritte laufen gleichzeitig an mehreren Standorten:

  • China: Zusätzliche 29 Millionen Dollar fließen ins Werk Tianjin, um die Montagelinien für Injektionspens zu modernisieren.
  • Irland: Der Ausbau der Anlage in Athlone für 432 Millionen Euro schreitet voran. Der Standort soll zum zentralen Hub für orale GLP-1-Produktion außerhalb der USA werden.
  • Globales Netzwerk: Novo Nordisk betreibt inzwischen sieben Fertigungsstandorte weltweit, um die Lieferengpässe der Vergangenheit zu vermeiden.

Kurs bleibt unter Druck trotz guter Nachrichten

Die Zulassung konnte den Kurs am Freitag nicht stützen. Die Aktie schloss bei 43,95 Euro, ein Tagesverlust von 2,42 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 15,69 Prozent zu Buche — ein deutliches Zeichen, dass der jüngste Erholungstrend intakt bleibt.

Der Rückkauf eigener Aktien läuft derweil unvermindert weiter. Bis zum 10. Juli 2026 hat Novo Nordisk seit Februar rund 24 Millionen B-Aktien zurückgekauft, eingebettet in ein Programm über 15 Milliarden dänische Kronen. Das Signal an den Markt: Das Management sieht die Aktie trotz der Kursschwäche der vergangenen zwölf Monate als unterbewertet an.

Wettbewerb verschärft sich

Die EU-Zulassung öffnet Novo Nordisk zwar einen größeren Markt, der Konkurrenzdruck wächst aber parallel. Eli Lilly treibt mit Orforglipron einen eigenen oralen Adipositas-Kandidaten voran und hat dafür bereits eine Zulassung in China beantragt.

Das Management von Novo Nordisk hat 2026 selbst als Übergangsjahr bezeichnet. Der Konzern muss US-Preisanpassungen und auslaufende Patente in Märkten wie China und Brasilien verkraften. Ein neuer Wachstumsschub wird laut Unternehmensangaben erst für 2027 erwartet.