Novo Nordisk kämpft auf zwei Fronten. Während der dänische Pharmakonzern seinen Angriff auf den chinesischen Markt vorbereitet, hat ein Cyberangriff sensible Daten aus dem Unternehmen herausgelöst.

China-Offensive gegen Eli Lilly

CEO Mike Doustdar kündigte am Dienstag an, die Zulassung für das orale Abnehmmedikament Wegovy in China „sehr bald“ oder „innerhalb weniger Monate“ zu beantragen. Das Ziel ist klar: Eli Lilly unter Druck setzen, das seinen oralen GLP-1-Wirkstoff Orforglipron bereits Ende 2025 zur Zulassung eingereicht hat.

Der Zeitpunkt ist heikel. Das Patent auf Semaglutid — den Wirkstoff in Wegovy und Ozempic — lief in China im März 2026 aus. Novo Nordisk hält zwar noch Datenschutz bis Anfang 2027. Ab dem zweiten Quartal 2027 dürften jedoch Generika auf den Markt drängen. Das Zeitfenster für einen profitablen Markteinstieg ist also eng.

Das Marktpotenzial rechtfertigt den Aufwand. Der GLP-1-Markt in China erzielte allein im ersten Quartal 2026 umgerechnet rund 207 Millionen Dollar Umsatz — hauptsächlich über Plattformen wie Alibaba und JD.com.

Datenleck mit Erpressungsversuch

Parallel dazu offenbarte Novo Nordisk am 11. Juni einen IT-Sicherheitsvorfall. Unbekannte verschafften sich Zugang zu internen Systemen und kopierten Daten ohne Genehmigung.

Betroffen sind pseudonymisierte Daten aus klinischen Studien — darunter Patientenidentifikatoren, Geburtsjahre, Biomarker und Lebensstilinformationen. Ferner wurden Kontaktdaten von Ärzten abgegriffen: Namen, Registrierungsnummern, E-Mail-Adressen und Telefonnummern. Das erhöht das Risiko gezielter Phishing-Angriffe erheblich.

Eine Cyberkriminalitätsgruppe namens FulcrumSec beansprucht, rund 1,3 Terabyte Daten gestohlen zu haben. Darunter sollen unveröffentlichte Wirkstoffprogramme, Verbindungsstrukturen, die Dicerna-RNAi-Pipeline sowie 24 KI-Modelle des Unternehmens sein. Die Gruppe fordert angeblich 25 Millionen Dollar Lösegeld. Novo Nordisk betont, das operative Geschäft laufe ungestört weiter. Externe Cybersicherheitsexperten und Behörden ermitteln.

Aktie unter Druck

Die Nachrichtenlage spiegelt sich im Kurs. Die Aktie notiert bei 37,73 Euro — rund 43 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 66,70 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als 15 Prozent verloren.

Immerhin liegt der Kurs knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,62 Euro, was kurzfristig eine gewisse Stabilisierung signalisiert. Der RSI von 51,6 zeigt neutrales Terrain — weder überkauft noch überverkauft. Ob die China-Strategie als Kurstreiber ausreicht, hängt davon ab, wie schnell Novo Nordisk die Zulassung tatsächlich einreicht — und wie der Markt das Datenleck bewertet, sobald weitere Details bekannt werden.