Novo Nordisk zeigt sich am heutigen Donnerstag mit einem Kursplus von 2,29 Prozent auf 39,60 Euro. Die Erholung folgt auf eine der turbulentesten Handelswochen des dänischen Pharmakonzerns seit Monaten. Trotz einer angehobenen Jahresprognose war die Aktie am Dienstag nach den Halbjahreszahlen zunächst um rund 7 Prozent eingebrochen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro, notiert im Januar, bleibt das Papier weiterhin 27,82 Prozent entfernt.
Prognoseanhebung trifft auf Abschreibung
Am Dienstag hatte Novo Nordisk seine Prognose für das Wachstum von bereinigtem Umsatz und operativem Gewinn für das Gesamtjahr 2026 verbessert: Statt eines Rückgangs von 4 bis 12 Prozent zu konstanten Wechselkursen erwartet der Konzern nun eine Spanne von 0 bis minus 6 Prozent. Der Markt reagierte trotzdem negativ. Grund war eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 6,3 Milliarden dänischen Kronen, größtenteils auf den Pipeline-Wirkstoff Monlunabant entfallend, der allein mit 4,0 Milliarden Kronen zu Buche schlug. Enttäuschende Entwicklungen in der Forschungspipeline verstärkten die negative Stimmung zusätzlich.
Ohne die Abschreibung berichtete Novo Nordisk für das zweite Quartal einen bereinigten Umsatz von 78,49 Milliarden Kronen, ein Plus von 7 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Der bereinigte operative Gewinn kletterte um 11 Prozent auf 33,39 Milliarden Kronen. Die operative Substanz des Geschäfts blieb damit intakt, während die Bilanzbereinigung die Wahrnehmung des Quartals prägte.
Analysten sehen „unruhiges“ Quartal
Jefferies bestätigte am Donnerstag sein „Hold“-Rating mit einem Kursziel von 285 dänischen Kronen und bezeichnete die Zahlen des zweiten Quartals trotz der Prognoseanhebung als „unruhig“. Bloomberg Intelligence-Analyst Michael Shah äußerte sich ebenfalls am Donnerstag und ordnete die Prognoseanhebung als weitgehend erwartet ein. Der Mittelwert der neuen Guidance impliziere für die Konsensschätzungen zum Umsatz 2026 lediglich eine moderate Anhebung um 150 Basispunkte – ein Hinweis darauf, dass der Markt die verbesserten Aussichten bereits eingepreist hatte.
Wegovy wächst, ZEUS scheitert
Positive Signale kamen aus dem Kerngeschäft: Die wöchentlichen Verschreibungen für das Wegovy-Portfolio in den USA erreichten Mitte Juli 265.000, seit dem Marktstart der oralen Version im Januar wurden kumuliert mehr als 5 Millionen Verschreibungen in den USA erfasst. Gleichzeitig belastete ein Rückschlag in der Forschungspipeline die Stimmung nachhaltig: Ende Juli scheiterte die Phase-3-Studie ZEUS zum Wirkstoff Ziltivekimab bei Patienten mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und Entzündungsmarkern am primären Studienendpunkt. In den folgenden Handelstagen verlor Novo Nordisk dadurch nach eigenen Angaben rund 30 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung.
Konzernchef Maziar Mike Doustdar stellte am Mittwoch klar, dass Novo Nordisk derzeit keine großen Übernahmen anstrebt. Der Fokus liege auf gezielten „Bolt-on“-Zukäufen, um die Forschungspipeline nach den jüngsten Rückschlägen wieder aufzubauen. Diese vorsichtige Übernahmestrategie fügt sich in ein umfassenderes Kostenprogramm ein, in dessen Rahmen der Konzern zuvor einen Abbau von rund 9.000 Stellen weltweit angekündigt hatte, davon 5.000 in Dänemark – eine Maßnahme, die Kosten senken und die Wachstumsaussichten „verjüngen“ soll.
Aktienrückkauf läuft weiter
Parallel zu den operativen Umbaumaßnahmen setzt Novo Nordisk sein Rückkaufprogramm fort. Seit dem 4. Februar 2026 erwarb der Konzern im Rahmen des auf 15 Milliarden Kronen angelegten Zwölfmonatsprogramms bereits mehr als 27 Millionen B-Aktien für insgesamt 7,53 Milliarden Kronen. Zudem erhielten zwei Aufsichtsratsmitglieder, Désirée Jantzen Asgreen und Elisabeth Dahl Christensen, am 5. August jeweils 74 B-Aktien zu einem Kurs von 294,30 Kronen im Rahmen des Anniversary-Programms zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens.
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf den 21. September. An diesem Tag veranstaltet Novo Nordisk seinen Capital Markets Day, an dem Strategie, operative Ausrichtung und finanzielle Ziele überprüft werden sollen. Mit einem RSI von 40 und einem Abstand von 3,34 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt signalisiert die technische Lage weiterhin Zurückhaltung, während die fundamentale Entwicklung zwischen operativer Stärke und pipeline-bedingten Rückschlägen schwankt.
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