Novo Nordisk hat in der vergangenen Woche ein zwiespältiges Bild abgeliefert: Bessere Geschäftszahlen und eine angehobene Jahresprognose stehen einem gescheiterten Herz-Kreislauf-Studienprogramm und Milliarden-Abschreibungen gegenüber. Der dänische Pharmakonzern zeigt damit, wie stark das Wachstum bei den Abnehmspritzen operative Enttäuschungen in der Pipeline derzeit noch überdecken kann.

Zweites Quartal übertrifft, Ausblick wird angehoben

Am Dienstag veröffentlichte Novo Nordisk seine Zahlen für das zweite Quartal 2026. Der bereinigte Umsatz legte währungsbereinigt um 7 Prozent zu, das bereinigte Betriebsergebnis stieg währungsbereinigt sogar um 11 Prozent. Auf Basis dieser Entwicklung hob das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr an: Statt eines Rückgangs von 4 bis 12 Prozent bei Umsatz und Betriebsergebnis auf währungsbereinigter Basis erwartet Novo Nordisk nun eine Spanne von einem stabilen Verlauf bis zu einem Minus von 6 Prozent. Als Treiber nannte der Konzern die gestiegenen Erwartungen an die GLP-1-Produktlinie.

Bei der oralen Wegovy-Pille blieb der Umsatz mit 3,22 Milliarden dänischen Kronen im zweiten Quartal jedoch leicht unter der Analystenerwartung von 3,27 Milliarden Kronen. Seit dem Marktstart im Januar wurden nach Unternehmensangaben mehr als fünf Millionen Rezepte für das Präparat ausgestellt – ein Volumen, das die grundsätzliche Nachfrage nach der Tablettenform unterstreicht, auch wenn die Umsatzdynamik im Detail hinter den Schätzungen zurückblieb.

Milliarden-Abschreibungen und Rückschläge in der Pipeline

Die guten Kernzahlen täuschen nicht darüber hinweg, dass Novo Nordisk im Berichtsquartal mit erheblichen Belastungen zu kämpfen hatte. Das Unternehmen verbuchte nicht zahlungswirksame Sonderabschreibungen von 6,3 Milliarden Kronen auf immaterielle Vermögenswerte in der Pipeline, davon allein 4,0 Milliarden Kronen auf den Wirkstoff Monlunabant.

Hintergrund ist unter anderem das Scheitern der Phase-3-Studie ZEUS zum Herz-Kreislauf-Kandidaten Ziltivekimab, das Novo Nordisk bereits Ende Juli mitgeteilt hatte. Die placebokontrollierte Doppelblindstudie mit mehr als 6.300 Teilnehmern mit Arteriosklerose, chronischer Nierenerkrankung und Entzündungsmarkern verfehlte ihren primären Endpunkt einer Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse – trotz nachgewiesener Zielwirkung und Hemmung des IL-6-Signalwegs. Die beiden weiteren laufenden Herz-Kreislauf-Studien HERMES und ARTEMIS sollen fortgesetzt werden, mit Ergebnissen frühestens in der ersten Hälfte 2027. Novo Nordisk betonte, dass der ZEUS-Ausgang die bereits kommunizierte Ergebnisprognose für 2026 nicht verändere, jedoch im dritten Quartal zu einer weiteren nicht zahlungswirksamen Abschreibung führen werde.

Konzernchef Maziar Doustdar räumte bei der Vorlage der Quartalszahlen ein, das Unternehmen habe zuletzt „einige Rückschläge in der Forschung und Entwicklung“ hinnehmen müssen, und verwies dabei explizit auf die gescheiterte Ziltivekimab-Studie. Er bekräftigte, Novo Nordisk setze künftig verstärkt auf ergänzende Übernahmen, um die eigene Pipeline zu stärken. Finanzchef Karsten Munk Knudsen äußerte sich zur Übernahme von Inversago noch deutlicher: Das Geschäft habe sich nicht wie erhofft entwickelt, sämtliche daraus übernommenen Aktivitäten seien inzwischen eingestellt worden.

Rückkaufprogramm läuft weiter, Kurs erholt sich am Freitag

Parallel zu den operativen Nachrichten setzt Novo Nordisk sein Aktienrückkaufprogramm fort. Bis zum 3. August hatte der Konzern im Rahmen des im Februar gestarteten Programms über 15 Milliarden Kronen bereits mehr als 27 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 278,35 Kronen zurückgekauft, was einem Transaktionsvolumen von umgerechnet rund 7,5 Milliarden Kronen entspricht.

An der Börse kam die Nachrichtenflut der vergangenen Woche gemischt an. Am Freitag legte die Aktie um 2,69 Prozent zu und schloss bei 40,99 Euro. Auf Jahressicht steht das Papier jedoch mit 6,88 Prozent im Minus, und vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro aus Januar bleibt der Kurs mehr als ein Viertel entfernt. Die jüngste Erholung zeigt zumindest, dass Anleger die angehobene Prognose stärker gewichten als die Belastungen aus der Pipeline – nachhaltig bestätigt ist dieser Trend damit noch nicht.