Novo Nordisk kämpft an zwei Fronten. Während das Kerngeschäft mit GLP-1-Medikamenten unter Druck steht, baut der dänische Pharmakonzern sein Pipeline-Portfolio in seltene Krankheiten aus. Ein neuer Schritt in diese Richtung: Die FDA hat dem Herzmedikament Coramitug den Fast-Track-Status verliehen.

Was Coramitug leisten soll

Coramitug zielt auf ATTR-Amyloidose mit Kardiomyopathie — eine seltene, lebensbedrohliche Herzerkrankung. Der Wirkstoff ist ein Antikörper, der abgelagertes Amyloid im Herzgewebe abbaut und gleichzeitig weiteren Ablagerungen vorbeugt. Novo Nordisk bezeichnet ihn intern als potenziell „best-in-class“ in seiner Wirkstoffklasse.

Der Fast-Track-Status der FDA ist kein Zulassungsversprechen. Er erlaubt aber einen engeren Austausch mit der Behörde und kann den Weg zur Zulassung verkürzen. Voraussetzung: Das Mittel muss einen echten ungedeckten medizinischen Bedarf adressieren — was bei ATTR-CM der Fall ist.

Phase-2-Daten zeigen bereits positive Signale. Coramitug verbesserte den Herzmarker NT-proBNP und mehrere echokardiografische Parameter. Mehr als 80 Prozent der Studienteilnehmer erhielten dabei bereits eine Standardtherapie.

Phase-3-Studie läuft bis 2029

Die entscheidende Datenbasis liefert die laufende Phase-3-Studie CLEOPATTRA. Rund 1.280 Patienten nehmen teil. Primäre Ergebnisse erwartet Novo Nordisk für 2029.

Coramitug stammt ursprünglich aus einer Akquisition. Novo Nordisk kaufte die ATTR-Amyloidose-Pipeline 2021 von Prothena. Der Kaufvertrag sieht Meilensteinzahlungen von bis zu 1,2 Milliarden Dollar vor — bislang flossen 150 Millionen Dollar an Prothena.

Diversifizierung als Strategie

Der Fast-Track-Status für Coramitug kommt nicht allein. Parallel meldete Novo Nordisk positive Phase-3-Daten für Etavopivat bei Sichelzellanämie. Zwei Pipeline-Erfolge in kurzer Zeit — das zeigt, wohin der Konzern strategisch steuert.

Das ist kein Zufall. Novo Nordisk rechnet für 2026 mit einem Umsatzrückgang von fünf bis dreizehn Prozent im GLP-1-Segment. Die Diversifizierung in Kardiologie und seltene Erkrankungen ist damit keine Option, sondern Notwendigkeit.

Die Aktie notiert bei 35,62 Euro — rund 35 Prozent unter dem Niveau vor einem Jahr, aber in den vergangenen 30 Tagen bereits gut 15 Prozent erholt. Ob die Pipeline-Fortschritte den fundamentalen Gegenwind im Kerngeschäft ausgleichen können, wird sich spätestens mit den CLEOPATTRA-Ergebnissen 2029 zeigen — oder früher, wenn Zwischendaten aus der Studie veröffentlicht werden.