Starke Wachstumsprognosen, schwache Kurse — bei Nu Holdings klaffen operative Erwartungen und Marktrealität derzeit auseinander. Der brasilianische Fintech-Konzern öffnet in dieser Woche seine Bücher. Während Analysten einen massiven Umsatzsprung vorhersagen, schickten Anleger das Papier zuletzt auf Talfahrt.

Hohe Hürden für das abgelaufene Quartal

Marktbeobachter rechnen mit einem starken Zahlenwerk. Die Konsensschätzungen gehen von einem Umsatzwachstum von 41,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus. Damit würde die digitale Bank die Dynamik des Vorquartals noch einmal übertreffen. Damals stand ein Plus von 36,5 Prozent in den Büchern.

Wie sensibel der Markt aktuell auf Verfehlungen reagiert, zeigte kürzlich der lokale Konkurrent PagBank. Dessen wiederkehrender Nettogewinn lag mit 575 Millionen brasilianischen Real knapp unter den Analystenschätzungen. Kleinste Abweichungen werden im aktuellen Umfeld sofort bestraft.

Zinsangst drückt den Aktienkurs

Dieser Druck spiegelt sich im jüngsten Kursverlauf wider. Am Dienstag schloss die Nu-Holdings-Aktie bei 11,35 Euro. Auf Wochensicht verlor das Papier damit rund acht Prozent. Das Jahreshoch rückt für Investoren vorerst in weite Ferne.

Auslöser der Zurückhaltung ist die allgemeine Schwäche im Technologiesektor. Die überraschend hohe US-Inflationsrate von 3,8 Prozent für April dämpft die Risikobereitschaft. Zinssensible Wachstumswerte geraten dadurch branchenübergreifend unter die Räder.

Nach US-Börsenschluss müssen die neuen Quartalszahlen nun beweisen, wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell in diesem makroökonomischen Umfeld ist. Im Fokus der Investoren stehen dabei vor allem die Nutzerzahlen und die Margen im Kreditgeschäft. Erreicht das Umsatzwachstum tatsächlich die anvisierte Marke von über 40 Prozent, liefert das handfeste Argumente gegen den aktuellen Abwärtstrend.