Nvidia tritt zunehmend nicht mehr nur als Chiplieferant auf, sondern als Investor und Finanzier gigantischer KI-Infrastrukturprojekte. Am heutigen Montag verdichten sich gleich mehrere Milliardendeals: eine Beteiligung am südkoreanischen Internetkonzern Naver, Gespräche über eine gewaltige Finanzierungsgarantie für ein Rechenzentrum von OpenAI sowie steigende Investitionsbudgets der großen US-Cloud-Konzerne, die direkt Nvidias Geschäft stützen.
Einstieg bei Naver: Vierteljahresmilliarde für 4,5 Prozent
Nvidia investiert 1 Milliarde Dollar in eine Kapitalerhöhung von Naver und erwirbt dafür 7,24 Millionen neue Aktien zu je 204.500 Won, umgerechnet ein Anteil von 4,5 Prozent. Damit steigt der Chipkonzern laut Seoul Economic Daily zum drittgrößten Aktionär von Naver auf, hinter dem staatlichen Pensionsfonds NPS und BlackRock. Naver zieht im Gegenzug 4,9 Millionen eigene Aktien ein, die Zahlung ist bis zum 30. Oktober fällig. Der Finanzinvestor Brookfield steuert zusätzlich bis zu 9 Milliarden Dollar für den Ausbau bei.
Kern der Allianz ist eine KI-Fabrik am Datenzentrum GAK Sejong: Die Kapazität soll von 55 Megawatt in der ersten Jahreshälfte 2027 auf 200 Megawatt bis 2028 und langfristig auf 1 Gigawatt wachsen, ausgestattet mit rund 100.000 Nvidia-Grafikprozessoren der Generationen Vera Rubin und Blackwell. Naver-Chefin Choi Soo-yeon sprach laut Maeil Business Newspaper von einem „wichtigen Wendepunkt“. Nvidia-Chef Huang stellte laut KED Global in Aussicht, Naver könne durch die Partnerschaft „zehnmal größer“ werden. Die Naver-Aktie sprang auf die Nachricht hin um rund zehn Prozent nach oben, wie Reuters berichtete. Analysten sehen laut Herald Business weiteres Kurspotenzial bis 450.000 Won und rechnen mit KI-Fabrik-Umsätzen von 14 Billionen Won bis 2032.
Ohio-Rechenzentrum: Gespräche über 250-Milliarden-Garantie
Parallel dazu verhandelt Nvidia laut einem Bericht des Wall Street Journal über eine Finanzierungsgarantie von bis zu 250 Milliarden Dollar für ein Rechenzentrum, das OpenAI in Pike County, Ohio, anmieten will. Das von SoftBank entwickelte Projekt mit einer Leistung von 10 Gigawatt soll insgesamt mehr als 500 Milliarden Dollar kosten. Zusätzlich steht laut denselben Berichten eine separate Chip-Finanzierung über 350 Milliarden Dollar im Raum. Die Stromversorgung soll über ein Gaskraftwerk im Volumen von 33 Milliarden Dollar erfolgen und unterliegt laut Berichten der Kontrolle des US-Handelsministeriums unter Minister Howard Lutnick, finanziert unter anderem aus Japan. Reuters konnte den Bericht eigenen Angaben zufolge nicht unabhängig bestätigen; die Gespräche gelten als noch nicht abgeschlossen.
Kritik an dem Modell kam prompt vom Investor Michael Burry, der die Konstruktion laut Yahoo Finance als zirkuläre Finanzierung bezeichnete und seine Nvidia-Shortposition ausbaute. Der Kommentator Ed Zitron nannte die Struktur demnach „irrsinnig“. Dass ein Chiphersteller die Schulden seiner eigenen Kunden absichert, wirft bei Beobachtern die Frage auf, wie tragfähig die Kapitalkette aus Chipverkäufen, Beteiligungen und Bürgschaften auf Dauer ist.
Hyperscaler pumpen weiter Milliarden in Rechenzentren
Rückenwind erhält Nvidia unterdessen von den großen Cloud-Anbietern. Alphabet hob sein Investitionsbudget für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar an, nachdem der operative Cashflow von 186 Milliarden Dollar binnen zwölf Monaten die geplanten Ausgaben nicht mehr deckte – der Konzern nimmt dafür zusätzliches Fremdkapital auf. Amazon plant für 2026 mit rund 200 Milliarden Dollar, Meta mit 125 bis 145 Milliarden Dollar. Ein Großteil dieser Mittel fließt in Grafikprozessoren von Nvidia. Das Cloud-Geschäft von Google wuchs im zweiten Quartal um 82 Prozent, ein Indikator für die anhaltende Nachfrage nach Rechenkapazität.
Von 53 Analysten, die den Wert beobachten, vergeben 48 ein Kaufvotum, drei sogar „Strong Buy“, nur zwei raten zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 304,26 Dollar. JPMorgan taxiert den fairen Wert auf 280 Dollar, Rosenblatt auf 325 Dollar. An der Börse zeigt sich die Aktie robust: Aktuell notiert das Papier bei 182,66 Euro und liegt damit 1,11 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 180,66 Euro. Zum bisherigen Jahreshoch von 202,50 Euro klafft weiterhin eine Lücke von 9,80 Prozent, während der Titel seit Jahresbeginn bereits 13,96 Prozent zulegte. Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Wachsende Aufträge treffen auf ein immer komplexeres Geflecht aus Beteiligungen und Garantien, dessen Risiken sich erst über mehrere Jahre vollständig zeigen dürften.
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