Nvidia spürt den Gegenwind. Die Aktie des KI-Giganten rutscht am Dienstag um 3,34 Prozent auf 176,50 Euro ab. Makroökonomische Sorgen und fallende Mietpreise für Grafikprozessoren belasten die Stimmung. Das passiert ausgerechnet einen Tag vor der wichtigen Hauptversammlung.

Zinsangst trifft Tech-Sektor

Investoren ziehen sich aktuell aus den diesjährigen Marktfavoriten zurück. Nvidia, Micron Technology und AMD führen einen breiten Ausverkauf im Technologiesektor an. Eine restriktive US-Notenbank signalisierte vergangene Woche weiterhin zu hohe Inflationsraten.

Geopolitische Faktoren verschärfen den Verkaufsdruck. Der Krieg im Iran und die Schließung der Straße von Hormus schüren Ängste vor steigender Inflation. Höhere Zinsen verteuern den massiven Ausbau der globalen KI-Infrastruktur. Die Folge: Fast alle großen Tech-Werte verzeichnen vorbörsliche Verluste.

Fallende Preise für KI-Chips

Abseits der Weltpolitik drückt eine spezifische Preisdynamik auf die Stimmung. Die Mietpreise für Nvidias B200-Chips sinken kontinuierlich. Kostete eine Stunde Ende Mai noch über sechs US-Dollar, fiel der Wert zuletzt auf 4,22 Dollar.

Diese Entwicklung weckt Zweifel an der kurzfristigen Preissetzungsmacht des Unternehmens. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur bleibt zwar strukturell intakt. Dennoch hinkt die Nvidia-Aktie mit einem Jahresplus von 9,56 Prozent dem breiten Halbleitersektor deutlich hinterher.

Fokus auf der Hauptversammlung

Am Mittwochvormittag stellt sich das Management den Aktionären. Nvidia hält seine virtuelle Hauptversammlung ab. Auf der Agenda stehen die Wahl von zehn Verwaltungsratsmitgliedern und die Abstimmung über die Vorstandsvergütung. Ein Aktionärsantrag fordert die Abschaffung qualifizierter Mehrheiten zugunsten einfacher Abstimmungsregeln.

Inhaltlich rückt der Produktionshochlauf der neuen Blackwell- und Vera-Chips in den Mittelpunkt. Engpässe bei Speichern und modernen Packaging-Verfahren bremsen die Lieferketten weiterhin aus.

Trotz der aktuellen Turbulenzen bleiben Analysten optimistisch. Stacy Rasgon von Bernstein Research rät weiterhin zum Kauf der Aktie. Er ruft ein Kursziel von 315 US-Dollar auf. Das jüngste Quartal stützt diese Zuversicht. Der Umsatz kletterte um 85 Prozent auf 81 Milliarden Dollar.

Charttechnisch präsentiert sich ein gemischtes Bild. Mit dem aktuellen Kursverlust rutscht das Papier unter die 50-Tage-Linie bei 180,81 Euro.

Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt. Die vielbeachtete 200-Tage-Linie bei rund 163 Euro bietet eine solide Unterstützung nach unten.

Am Mittwoch liefert das Management auf der Hauptversammlung neue Details zur Produktionsplanung. Hält die charttechnische Unterstützung bei rund 163 Euro, bewahrt sich die Aktie ihre Chance auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.