Nvidia hat in den vergangenen Tagen eine Volte geschlagen, die bemerkenswerter ist als die Milliarden-Übernahme von Hugging Face. Mit der Investition von 3,5 Milliarden Dollar in Wandelanleihen von MediaTek und der vertieften Kooperation zeigt Jensen Huangs Konzern, wohin die eigentliche Reise geht — und für mich ist das der spannendere Blick auf die Aktie als jede einzelne Quartalszahl.
Ein Deal, der Kontrolle über Wachstum stellt
Am 31. August verkündeten Nvidia und MediaTek die Vertiefung ihrer langjährigen Zusammenarbeit, einen Tag später folgte die Kapitalspritze. MediaTek soll künftig die NVLink-Fusion-Plattform nutzen, um Hyperscalern und Cloud-Anbietern einen vorvalidierten Weg zu eigenen XPU-Chips zu bieten — eingebunden in Nvidias rack-skalierte KI-Fabriken. Das klingt technisch, ist aber strategisch hochbrisant: Nvidia öffnet sein geschlossenes Ökosystem für Partner, die eigene Chips bauen, bindet sie aber über die eigene Verbindungstechnologie fester an sich.
Wer glaubt, Nvidia fürchte Custom-Silicon-Konkurrenz, den widerlegt dieser Schritt. Die Firma sichert sich lieber eine Beteiligung an möglichen Konkurrenten, als sie ziehen zu lassen.
Zusammen mit der Ankündigung von AWS, in den Jahren 2027 und 2028 zwei Millionen zusätzliche Blackwell-Ultra-, Rubin- und Rubin-Ultra-GPUs zu verbauen, ergibt sich für mich ein Bild: Die Nachfrageseite bleibt intakt, weit über den aktuellen Buchungshorizont hinaus. AWS selbst berichtete, die Nachfrage habe die auf der GTC 2026 angekündigten Erwartungen bereits übertroffen.
Die Zahlen stützen die These, mahnen aber zur Vorsicht
Die Geschäftszahlen vom 26. August liefern das Fundament für diese Wette: 96,2 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal des Fiskaljahres 2027, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, bei einer Bruttomarge von 75,0 Prozent.
Die Prognose für das dritte Quartal liegt bei 108,0 Milliarden Dollar, plus/minus 2 Prozent — und das, obwohl Nvidia in dieser Guidance keinerlei Data-Center-Umsatz aus China einkalkuliert.
Genau das ist für mich der entscheidende Nebensatz: Das Unternehmen wächst mit dieser Wucht, während ein ganzer Markt praktisch auf null gesetzt bleibt. Sollte sich die China-Situation irgendwann entspannen, wäre das reines Aufwärtspotenzial, das aktuell niemand einpreist.
Gleichzeitig hat Nvidia im ersten Halbjahr des Fiskaljahres 203 Millionen eigene Aktien für 39,8 Milliarden Dollar zurückgekauft und die Quartalsdividende von 0,01 auf 0,25 Dollar je Aktie angehoben. Das ist kein Zeichen von Wachstumsangst, sondern von einem Konzern, der seinen Cashflow kaum noch sinnvoll allein in Kapazitätsausbau stecken kann.
Bewertung und Kurs: Luft nach oben, aber weniger als früher
An der Börse spiegelt sich diese Dynamik längst wider. Der Kurs schloss zuletzt bei 198,50 Euro, nur 2,0 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, und liegt satte 40 Prozent über dem Tief vom vergangenen September.
Auf Jahressicht steht ein Plus von 24 Prozent, über zwölf Monate sind es 39 Prozent. Die Marktkapitalisierung von umgerechnet knapp 4,8 Billionen Euro relativiert für mich, wie viel Optimismus bereits eingepreist ist — der Spielraum für Enttäuschungen schrumpft mit jeder neuen Bestmarke.
BMO Capital nahm die Coverage am 4. September mit einem Kursziel von 340 Dollar und dem Rating „Outperform“ auf — ein bullisher Blick, der die strukturelle Wachstumsstory teilt, aber naturgemäß auch von einem Analystenhaus stammt, das erstmals urteilt.
Dass zeitgleich der General Counsel Timothy Teter Ende August 30.000 Aktien zwischen 216,84 und 218,53 Dollar verkaufte, muss kein Warnsignal sein — Insider diversifizieren aus vielen Gründen. Es passt aber ins Bild eines Kurses, der nahe historischen Höchstständen notiert.
Mein Fazit
Der MediaTek-Deal zeigt eine Firma, die ihre Marktmacht nicht verteidigt, indem sie Konkurrenz verhindert, sondern indem sie sie kapitalisiert. Diese Strategie spricht für anhaltende strukturelle Stärke. Zugleich notiert die Aktie nahe dem Rekordhoch bei einer Volatilität von 42 Prozent — die Chancen überwiegen für mich weiterhin, doch der Puffer für Rückschläge ist unterm Strich kleiner geworden als noch vor einem Jahr.
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