Ein robuster US-Arbeitsmarkt und ein enttäuschender Ausblick von Broadcom haben die Halbleiterbranche am Freitag kalt erwischt. Der US-Chip-Sektor verlor an einem einzigen Handelstag schätzungsweise 1,3 Billionen Dollar an Marktwert. Mittendrin steht Nvidia, das nach einem Kursrutsch von über fünf Prozent nun an mehreren Fronten kämpft.

Auslöser der Talfahrt waren die unerwartet starken US-Arbeitsmarktdaten für Mai. Das schürt an den Märkten die Angst vor weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank bis zum Jahresende. Parallel dazu zog ein schwacher Quartalsausblick von Broadcom den gesamten KI-Sektor nach unten. Der PHLX Semiconductor Index erlebte mit einem zweistelligen Minus seinen schwärzesten Tag seit März 2020.

Politischer Druck und Insider-Verkäufe

Abseits der Makroökonomie braut sich in Washington Ärger zusammen. US-Senatorin Elizabeth Warren hat CEO Jensen Huang für den 11. Juni vor den Bankenausschuss zitiert. Im Zentrum der Anhörung stehen die US-Exportkontrollen und Nvidias Geschäfte in China.

Offenbar nutzten chinesische Firmen bis Ende Mai eine Gesetzeslücke, um über Tochtergesellschaften in Asien an hochmoderne Blackwell-Chips zu gelangen. Währenddessen fallen interne Aktienverkäufe auf. Direktor Mark A. Stevens trennte sich Anfang Juni von einer Million Papieren.

Vera Rubin geht in Serie

Operativ liefert der Konzern derweil weiter ab. Bei einem Besuch in Seoul bestätigte Huang, dass die neue KI-Plattform „Vera Rubin“ die volle Serienproduktion erreicht hat. Für den essenziellen HBM4-Speicher erhielten Samsung, SK Hynix und Micron die offizielle Zulassung.

Analysten schätzen den Anteil von SK Hynix am Liefervolumen auf 60 bis 70 Prozent.

Samsung folgt laut den Experten mit 25 bis 30 Prozent. Die Auslieferung der neuen NVL72-Systeme soll planmäßig im dritten Quartal anlaufen.

An der Börse hinterlässt die Gemengelage deutliche Spuren. Mit dem Freitagsschlusskurs von 178,08 Euro rutschte die Aktie spürbar unter ihr jüngstes 52-Wochen-Hoch. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von rund 45 eine deutliche Abkühlung der Euphorie.

Als nächster Richtungsweiser dient nun die Umsatzprognose für das laufende Quartal. Das Management peilt hier 91 Milliarden Dollar an. Einnahmen aus dem chinesischen Rechenzentrumsmarkt sind in dieser Kalkulation bereits vollständig ausgeklammert.