China zieht bei KI-Chips die nächste Linie. Erstmals fallen Trainings- und Inferenzchips für künstliche Intelligenz in ein offizielles Prüfverfahren für „sichere und verlässliche“ Technologie. Für Nvidia ist das kein sofortiger Umsatzschock. Es verschärft aber den politischen Druck in einem Markt, der schon stark reguliert ist.
Peking lenkt Beschaffung nach innen
Die zuständigen chinesischen Prüfstellen veröffentlichten am Abend des 26. Mai eine neue Kategorie für KI-Trainings- und Inferenzchips. Die Zertifizierungen gelten für drei Jahre.
Relevant ist das, weil diese Freigaben in China als Beschaffungskatalog für Partei- und Regierungsstellen gelten. Auch zentrale Staatskonzerne und staatsnahe Kunden orientieren sich daran. Dahinter steht die Xinchuang-Initiative, mit der Peking ausländische Technik in sensiblen IT-Systemen ersetzt.
Bislang zielte diese Kampagne vor allem auf Prozessoren und Datenbanken. Betroffen waren unter anderem US-Anbieter wie Intel, AMD und Oracle. Nun rückt die Infrastruktur für KI-Rechenleistung stärker in den Blick. Genau dort verdient Nvidia sein Geld.
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Heimische Chips bekommen Rückenwind
Neun in China entwickelte KI-Prozessoren erhielten die Freigabe für staatliche Beschaffung. Dazu zählen Huaweis Ascend 310 und Ascend 910.
Auch Alibaba ist mit T-Head Zhenwu M530 und M890 vertreten. Weitere Anbieter sind Biren Technology, Hygon Information Technology, Iluvatar CoreX, MetaX und Moore Threads.
Das nimmt Nvidia nicht automatisch aus dem chinesischen kommerziellen KI-Markt. Der Weg in staatlich geprägte Rechenzentren wird aber enger. Peking baut damit einen zweiten Hebel auf: Neben den US-Exportkontrollen entsteht eine eigene Beschaffungspolitik zugunsten heimischer Anbieter.
Starke Zahlen, aber China fehlt
Das Timing ist heikel. Nvidia hatte am 20. Mai für das zweite Geschäftsquartal Erlöse von 91,0 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, plus oder minus zwei Prozent.
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In dieser Prognose rechnet der Konzern mit keinem Umsatz aus China im Bereich Data-Center-Compute. Das dämpft die kurzfristige Gewinngefahr. Der Markt hatte China in diesem Quartal also bereits praktisch ausgeklammert.
Operativ läuft das Geschäft trotzdem auf Rekordniveau. Im ersten Geschäftsquartal erzielte Nvidia 81,6 Milliarden Dollar Umsatz, das Data-Center-Segment kam auf 75,2 Milliarden Dollar. Die Nachfrage außerhalb Chinas bleibt damit der Kern der Investmentstory.
Anfang Mai hatte Nvidia zwar US-Lizenzen für den Verkauf von H200-Chips erhalten. Eine Freigabe aus China blieb aus. Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping brachten für diese Verkäufe keinen Durchbruch.
Die Aktie reagiert bislang gelassen: In Deutschland notiert Nvidia bei 184,44 Euro, ein Plus von 0,24 Prozent. Seit Jahresanfang liegt der Titel 14,49 Prozent vorn, auf Sicht von zwölf Monaten sogar 51,18 Prozent.
Die Messlatte bleibt der Ausblick von 91 Milliarden Dollar. Hält Nvidia ihn ohne China-Umsatz im Rechenzentrum, bleibt Peking vorerst eher ein strategisches Risiko als ein Gewinnproblem im laufenden Quartal.
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