Chinas KI-Branche baut ihre eigene Infrastruktur weiter aus — und das zunehmend ohne Nvidia. DeepSeek, eines der profiliertesten chinesischen KI-Labore, hat sich mit Huawei zusammengetan, um Programmierwerkzeuge für dessen Ascend-Chips zu entwickeln. Das Duo öffnet den Code für eine Programmiersprache namens TileLang, die als einfachere Alternative zu Nvidias CUDA-Ökosystem positioniert wird.
Vom Kunden zum Konkurrenten
Bemerkenswert ist der Weg, den DeepSeek genommen hat. Ursprünglich setzte das Unternehmen stark auf Nvidia-Hardware, insbesondere auf den H800-Chip. Im Laufe des Jahres 2026 verschob sich die Gewichtung Richtung heimischer Alternativen — nicht zuletzt, weil China den Verkauf aktueller Nvidia-Chips im eigenen Markt weitgehend blockiert. DeepSeeks Modell V4-Flash wurde bereits gezielt für Huawei-Chips optimiert.
Huawei selbst treibt den Ausbau parallel voran: Erst vor wenigen Wochen kündigte der Konzern eine neue Generation von Ascend-Chips für Rechenzentren und Computer-Supercluster an und rechnet damit, dass diese bis 2027 breit für das Training von KI-Modellen eingesetzt werden.
Ein „Supernode“-Programm, das auf 128 Ascend-950-Chips basiert, ist bereits in Arbeit. Peking flankiert diese Entwicklung mit wirtschaftlichen und regulatorischen Maßnahmen, die die Abhängigkeit von US-Halbleitern verringern sollen.
Rückkäufe als Gegengewicht
Während sich in China ein zweites Ökosystem formiert, zeigt sich Nvidia finanziell weiterhin in einer komfortablen Position. Der Konzern hat sein Aktienrückkaufprogramm jüngst um 150 Milliarden Dollar auf insgesamt 235 Milliarden Dollar aufgestockt — finanziert aus dem Cashflow, den die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Prozessoren außerhalb Chinas generiert. Das Programm läuft nach Unternehmensangaben bis zum Geschäftsjahr 2028.
Die Kursreaktion auf diese Ankündigung blieb zuletzt verhalten, die Aktie gab zeitweise leicht nach. An der Wall Street bleibt das Bild insgesamt positiv: Piper Sandler etwa startete die Abdeckung Anfang September mit einem Kursziel von 300 Dollar und der Einschätzung „Overweight“, mit Verweis auf eine sich selbst verstärkende Nachfrage nach Rechenleistung.
Der chinesische Markt bleibt für Nvidia dennoch ein struktureller Unsicherheitsfaktor. Je weiter DeepSeek, Huawei und andere heimische Anbieter ihr eigenes Software- und Hardware-Ökosystem ausbauen, desto schwerer dürfte es für Nvidia werden, dort verlorenes Terrain zurückzugewinnen — unabhängig davon, wie stark die Nachfrage im Rest der Welt bleibt.
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