Nvidia notiert bei 181,96 Euro, ein Minus von 1,43 Prozent zum Vortag. Der Blick auf die letzten sieben Tage zeigt aber ein anderes Bild: plus 6,42 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Plus von 29,40 Prozent. Diese Kluft zwischen kurzfristiger Nervosität und langfristigem Rückenwind ist derzeit die eigentliche Geschichte dieser Aktie.
Eine Bewertung, die niemand erwartet hätte
Jahrelang stützte sich die Nvidia-Story auf Knappheit. Ein Konzern kontrolliert die Werkzeuge des KI-Booms und verlangt dafür einen satten Aufpreis. Genau dieser Aufpreis schmilzt gerade dahin.
Goldman Sachs hält Nvidia angesichts des jüngsten Rückgangs für unterbewertet. Die Bank verweist auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21,7 auf Basis der erwarteten Gewinne. Das liegt nahe am S&P-500-Durchschnitt und weit unter dem eigenen Fünfjahresschnitt von 72.
Diese Kompression wiegt schwerer als jede einzelne Schlagzeile. Der Markt bepreist Nvidia nicht mehr als Ausreißer mit Extremwachstum, sondern eher wie eine industrielle Cashflow-Maschine. Im jüngsten Earnings-Call rechnet das Management für nächstes Jahr mit Rechenzentrums-Investitionen von einer Billion Dollar durch KI-Hyperscaler. Ein Rückenwind, den eine derart geschrumpfte Bewertung eigentlich nicht widerspiegeln würde, sollte er sich bestätigen.
Aktuell liegt die Aktie 10,14 Prozent unter ihrem Hoch von 202,50 Euro aus Mitte Mai. Gleichzeitig liegt sie deutliche 29,40 Prozent über dem Jahrestief von 140,62 Euro aus dem Juli 2025. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 181,46 Euro liegt fast exakt auf dem aktuellen Kurs. Der 200-Tage-Schnitt bei 164,90 Euro hinkt dagegen deutlich hinterher. Diese Konstellation – Kurs klebt am kurzfristigen Schnitt, liegt aber komfortabel über dem langfristigen – wirkt weniger nach Euphorie. Sie liest sich eher wie ein Markt, der noch immer sucht, welchen Bewertungsaufschlag dieses Geschäft eigentlich verdient.
China kehrt zurück ins Spiel
Der konkreteste kurzfristige Kurstreiber ist geopolitisch. China erlaubt führenden KI-Unternehmen künftig, eine begrenzte Menge an H200-Chips von Nvidia zu kaufen. Peking lockert damit seine Beschränkungen für die begehrte US-Technologie. Konzerne wie Alibaba, ByteDance und DeepSeek haben bereits die Genehmigung erhalten, einen Teil der Prozessoren zu erwerben.
Eine Rückkehr chinesischer Nachfrage wäre ein echter Zusatzeffekt. Nvidias offizielle Prognosen haben Rechenzentrumsumsätze aus China zuletzt gar nicht erst eingerechnet.
Auf der Produktseite sorgt die Roadmap allerdings eher für Unruhe als für Vorfreude. Ein Bericht von SemiAnalysis Anfang Juli behauptet, das Kyber-NVL144-Rack aus der Rubin-Ultra-Plattform verschiebe sich wegen Fertigungsproblemen an der Platinen-Zwischenebene um mehr als zwölf Monate, auf 2028. Nvidia widerspricht dem vehement und bezeichnet die eigene Roadmap als intakt.
Der Konzern reagierte am selben Tag öffentlich. Gegenüber Bloomberg betonte Nvidia, die „Roadmap sei intakt“. Bestehende Rubin-Systeme liefen bereits in voller Produktion, Lieferungen an acht Cloud-Kunden seien für den Herbst eingeplant. Klein wirkt diese Episode auf den ersten Blick. Sie zeigt aber, wie empfindlich die Stimmung mittlerweile auf Ausführungsrisiken reagiert – bei einer Roadmap, die früher als selbstverständlich galt.
Was die Charttechnik verrät
Der RSI von 55,2 signalisiert ein Gleichgewicht: weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 36,58 Prozent bestätigt aber, dass diese Aktie in beide Richtungen mit Wucht ausschlagen kann. Da der Kurs fast exakt auf seinem 50-Tage-Durchschnitt klebt, wirkt die nächste Bewegung weniger wie eine Trendbestätigung. Sie sieht eher nach einem Markt aus, der noch nach Überzeugung sucht – in welche Richtung auch immer.
Drei Kräfte, ein Konflikt
Was den aktuellen Moment interessant macht, ist kein einzelner Datenpunkt. Es ist das Zusammentreffen dreier Kräfte: eine Bewertung, die selbst Goldman Sachs im historischen Vergleich als komprimiert einstuft, ein chinesischer Markt, der sich vorsichtig wieder öffnen könnte, während Exportkontrollen weiter ein offenes Thema bleiben – und eine Produkt-Roadmap, bei der inzwischen jedes Gerücht Zulieferaktien und Stimmung gleichermaßen bewegt.
Reicht ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21,7 aus, um Anleger von einem Einstieg zu überzeugen, wenn die Roadmap gleichzeitig unter Beschuss steht? Die Antwort dürfte weniger von abstrakter KI-Begeisterung abhängen als von etwas Handfesterem: ob Nvidia Quartal für Quartal beweisen kann, dass der Ausbau der KI-Infrastruktur weiterhin genau die Chips braucht, die der Konzern baut.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 13. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


