Peking lockert die Regeln für Nvidias H200-Chips. Gleichzeitig rückt eine belastende EU-Untersuchung ihrem Ende entgegen. Zwei Nachrichten, die Nvidia-Aktionären an einem Freitag Hoffnung machen könnten, an dem der Kurs selbst leicht nachgibt.

Die Aktie notiert bei 176,16 Euro, ein Minus von 0,70 Prozent zum Vortag. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 9,35 Prozent zu Buche. Zum Rekordhoch von 202,50 Euro aus dem Mai fehlen aktuell rund 13 Prozent.

Peking lässt die Tür einen Spalt offen

China bereitet laut Berichten vom 9. Juli eine Lockerung vor. Alibaba, ByteDance und DeepSeek sollen künftig eine begrenzte Zahl von Nvidias H200-Prozessoren kaufen dürfen. Die Rede ist von weniger als 200.000 Chips insgesamt — kaum halb so viel, wie die Unternehmen ursprünglich angefragt hatten.

Ganz frei ist der Zugang trotzdem nicht. Chinesische Firmen müssen ihren genauen Chipbedarf detailliert begründen. Jede Lieferung durchläuft zusätzlich eine Prüfung.

Analysten deuten den Schritt als strategische Reaktion Pekings auf die wachsende Nachfrage nach KI-Rechenleistung im eigenen Land. Nvidia-Finanzchefin Colette Kress hatte im Mai noch eingeräumt, dass die H200-Chips in China bislang keinen Umsatz generiert hätten. Die Unsicherheit über Importgenehmigungen war damals groß.

Kartellverfahren in Frankreich läuft aus

Auch in Europa entspannt sich die Lage für Nvidia. Die französische Wettbewerbsbehörde teilte am 9. Juli mit, ihre Untersuchung zu mutmaßlich wettbewerbswidrigen Praktiken nähere sich dem Abschluss. Generalberichterstatter Umberto Berkani bestätigte: Die Ermittler müssen nun entscheiden, ob sie eine formale Mitteilung der Beschwerdepunkte aussprechen oder das Verfahren komplett einstellen.

Begonnen hatte alles im September 2023 mit einer Razzia in Nvidias französischen Büros. Im Zentrum stand die starke Abhängigkeit der Branche von Nvidias CUDA-Softwarestack. Ein Ende der Untersuchung schließt Sanktionen nicht automatisch aus. Für Nvidia bedeutet es aber immerhin einen klareren Zeitplan bei einer der prominentesten rechtlichen Baustellen in der EU.

Hardware-Fahrplan bleibt bestehen

Parallel zu den regulatorischen Themen treibt Nvidia sein Produktökosystem voran. Co-Packaged-Optics-Lösungen für skalierbare Rechenzentren laufen bereits in Produktion. Für die kommenden Architekturen Blackwell Ultra und Vera Rubin erwartet der Konzern eine starke Nachfrage — Vera Rubin bleibt für die zweite Jahreshälfte 2026 im Zeitplan.

Im Automobilbereich baut Nvidia seinen Einfluss weiter aus. Die Ingenieurfirma FEV und Microsoft kündigten am Donnerstag eine Kooperation an, die generative KI auf Nvidia-Basis in Fahrzeugsysteme integrieren soll. Das kleine Sprachmodell „Phi-4-mini“ läuft dabei auf Nvidias DRIVE-AGX-Hardware und ermöglicht multimodale Interaktionen im Fahrzeug — ganz ohne durchgehende Internetverbindung.

Zahlen und Positionierung institutioneller Investoren

Im ersten Quartal, das am 26. April 2026 endete, meldete Nvidia einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Institutionelle Anleger justieren derweil ihre Positionen. Fulton Bank N.A. reduzierte ihren Nvidia-Bestand im ersten Quartal 2026 um 1,8 Prozent, hält mit 335.359 Aktien im Wert von rund 58,5 Millionen Dollar aber weiterhin eine Top-Ten-Position im eigenen Portfolio.

Der 14-Tage-RSI von 49,4 signalisiert derzeit ein neutrales Momentum. Die Aktie notiert 2,70 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, liegt aber knapp 7 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 164,74 Euro. Für die kommenden Wochen bleibt die endgültige Entscheidung der französischen Kartellbehörde ebenso offen wie das genaue Volumen der ersten H200-Lieferungen nach China.