Eine Genehmigung, die niemand nutzen kann — so lässt sich Nvidias China-Dilemma gerade zusammenfassen. Die US-Regierung hat grünes Licht für H200-Lieferungen nach China gegeben. Passiert ist seitdem: nichts.
Die Aktie schloss am Freitag bei 177,46 Euro, ein Minus von 2,14 Prozent zum Vortag. Über die vergangene Woche summiert sich der Rückgang auf 3,97 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 202,50 Euro, erreicht im Mai, trennen das Papier mittlerweile 12,4 Prozent.
Genehmigt, aber blockiert
Im Februar 2026 erteilte die US-Regierung Nvidia eine Lizenz für begrenzte H200-Lieferungen an ausgewählte chinesische Kunden. Das klingt nach Fortschritt. Ist es aber nur auf dem Papier.
Nvidias Finanzchefin Colette Kress brachte es beim jüngsten Earnings Call auf den Punkt: Kleine Mengen an H200-Chips seien für chinesische Kunden freigegeben, Umsatz daraus habe der Konzern jedoch noch keinen erzielt. Ihr Zusatz wiegt schwer: Man wisse schlicht nicht, ob überhaupt Importe nach China erlaubt würden.
Die Auflagen verschärfen das Problem zusätzlich. Jeder H200-Chip muss vor dem Versand eine US-Inspektion durchlaufen. Zusätzlich fällt beim Import in die USA ein Zoll von 25 Prozent an — eine Hürde, die die Wirtschaftlichkeit selbst im Erfolgsfall belastet.
Die entscheidende Kennzahl
Nvidia hat für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 91 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent. Der entscheidende Punkt dabei: Diese Prognose enthält keinen einzigen Dollar aus China-Geschäft im Bereich Data-Center-Compute.
Jede tatsächliche China-Lieferung wäre damit reiner Bonus obendrauf. Genau das macht die aktuelle Situation für Investoren so schwer einzuordnen — die Guidance ist bereits konservativ kalkuliert, ein positiver Überraschungseffekt bleibt aber möglich.
Bull-Szenario: Nachholbedarf trifft auf offene Tür
Unabhängig von China läuft das Kerngeschäft weiter auf Hochtouren. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete Nvidia einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,39 Dollar nach GAAP.
CEO Jensen Huang beschreibt den Ausbau der KI-Infrastruktur als die größte Infrastrukturerweiterung der Menschheitsgeschichte. Agentische KI-Systeme, so Huang, leisteten bereits produktive Arbeit und schaffen realen Wert branchenübergreifend.
Sollte sich die China-Blockade lösen und Lieferungen tatsächlich anlaufen, käme dieser Umsatz komplett obendrauf — auf eine Prognose, die aktuell null China-Beitrag einpreist. Ein solches Szenario könnte die Aktie zurück in Richtung des 52-Wochen-Hochs tragen und darüber hinaus.
Bear-Szenario: Rechtlicher Stillstand und verlorener Boden
Das Risiko liegt nicht in einer neuen Eskalation, sondern im Verharren im aktuellen Zustand. Selbst dort, wo Lizenzen existieren, sind Lieferungen wiederholt an wechselnden Regeln und geopolitischen Reibungen gescheitert. Chinesische Kunden hatten in der Zwischenzeit Zeit, auf heimische Alternativen umzusteigen — ein Trend, der das China-Umsatzpotenzial dauerhaft begrenzen könnte, selbst wenn Lieferungen irgendwann anlaufen.
Hinzu kommt der Importzoll von 25 Prozent auf jeden bewegten H200-Chip. Er drückt die Margen und erschwert die Preisgestaltung gegenüber lokaler Konkurrenz.
Charttechnisch notiert die Aktie unterhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts von 181,83 Euro. Der RSI liegt bei neutralen 48,8 — der Markt hat sich also noch nicht für eine klare Richtung entschieden.
Ausblick: Der August wird zum Prüfstein
Solange der China-Pfad ungeklärt bleibt, dürfte sich Nvidias Bewertung vor allem an der grundlegenden KI-Infrastrukturnachfrage orientieren, nicht an einem China-Katalysator. Die aktuelle Kursposition — 2,4 Prozent unter dem 50-Tage-Schnitt, aber 7,3 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 165,34 Euro — spiegelt einen Markt wider, der noch abwägt statt sich festzulegen.
Setzen sich die Importgenehmigungen aus Peking tatsächlich durch und schlagen sich in ausgewiesenem Umsatz nieder, spräche das für neuen Auftrieb Richtung 52-Wochen-Hoch. Hält der Stillstand dagegen an oder ersetzen chinesische Kunden weiter Nvidia-Chips durch heimische Produkte, gewinnt das Bear-Szenario an Gewicht — dann könnte die Aktie Unterstützung am 100-Tage-Durchschnitt bei 171,71 Euro oder am 200-Tage-Schnitt bei 165,34 Euro suchen.
Der nächste konkrete Prüfstein steht bereits fest: Ende August 2026 legt Nvidia die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal vor. Dann dürfte sich zeigen, ob aus der genehmigten Lizenz endlich echter China-Umsatz wird.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 19. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

