Nvidia bekommt eine schmale Tür nach China geöffnet. Ob dahinter echtes Geschäft wartet, weiß aktuell niemand. Die Aktie notiert bei 179,64 Euro, ein Wochenminus von 3,08 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro liegt bei 11,29 Prozent.

Eine Lizenz ohne Umsatz

Die US-Regierung erlaubte Nvidia im Februar 2026 den Versand kleiner Mengen des Chips H200 an ausgewählte chinesische Kunden. Bislang ist daraus kein einziger Dollar Umsatz entstanden. Nvidia weiß selbst noch nicht, ob die Chips überhaupt nach China einreisen dürfen.

Die Auflagen sind streng. Jeder H200-Chip muss vor dem Versand eine Inspektion in den USA durchlaufen. Bei der Einfuhr in die USA fällt außerdem ein Zoll von 25 Prozent an.

Das Muster ist bekannt. Das US-Handelsministerium erteilte bereits rund zehn chinesischen Firmen die Freigabe für den H200-Kauf, darunter Alibaba, Tencent und ByteDance. Die Grenze liegt bei 75.000 Einheiten pro Kunde. Ausgeliefert wurde trotzdem nichts – der Deal steckt in einem rechtlichen Schwebezustand.

Parallel dazu sorgt ein Bericht von SemiAnalysis für Unruhe. Das Analysehaus behauptete im Juli, Nvidias nächste KI-Server-Generation Kyber NVL144 verzögere sich wegen Problemen bei der Platinen-Fertigung um mehr als ein Jahr, auf 2028. Nvidia widersprach – vorsichtig. Ein Sprecher erklärte gegenüber Bloomberg lediglich, die „Roadmap sei intakt“.

Futurum-Group-Chef Daniel Newman bewertete die Formulierung zurückhaltend. Der Satz „Roadmap intakt“ lasse „Raum für Interpretation“, so Newman. Offen bleibt damit, ob die Flaggschiff-Plattform Rubin pünktlich startet, während das High-End-System Rubin Ultra im Kyber-Rack noch ins Rutschen geraten könnte.

Die entscheidende Frage

Wird aus der schmalen, zollbelasteten China-Lizenz echtes, skalierbares Geschäft? Oder bleibt sie eine symbolische Geste, die nie durch chinesischen Zoll und Sicherheitsprüfung kommt? Genau das ist bei früheren China-Genehmigungen wiederholt passiert.

Bull-Szenario: Hyperscaler halten die Kauflaune

Das optimistische Szenario stützt sich weniger auf China als auf die Investitionslaune der größten Nvidia-Kunden. Microsoft, Meta, Tesla und Amazon legen in Kürze ihre Zahlen vor. Bestätigen oder erhöhen die Konzerne ihre Pläne für KI-Infrastruktur, spricht das für anhaltende Chip-Bestellungen bei Nvidia – unabhängig von China.

Technisch bleibt Raum nach oben. Der RSI von 51,0 zeigt weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen an. Das Analysten-Kursziel von 264,83 Euro impliziert ein Aufwärtspotenzial von rund 47 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs.

Nvidias knappe, aber klare Zurückweisung der Verzögerungsvorwürfe hat die Stimmung bislang nicht kippen lassen. Die Rubin-Chips laufen bereits in Oberon-Racks vom Band. Rubin Ultra soll folgen, sobald die Kyber-Plattform bereit ist.

Bär-Szenario: China bleibt Fiktion, Kyber-Zweifel bleiben

Das Risiko-Szenario fußt auf einem wiederkehrenden Muster: US-Lizenzgesten Richtung China erzeugen selten echten Umsatz. Das H200-Programm hat bislang null Umsatz gebracht. Selbst die frühere, etablierte H20-Lizenz brachte nur rund 60 Millionen Dollar ein, nachdem die US-Regierung im August 2025 grünes Licht gegeben hatte. Blockieren chinesische Behörden weiterhin heimische Käufer aus Sicherheitsgründen, könnte der neue H200-Kanal genauso versanden.

Auch der Kyber-Streit ist nicht ausgeräumt. Nvidias sorgfältig formulierte Stellungnahme bestätigte den 2027er-Zeitplan nicht ausdrücklich. Analysten werten die Antwort als interpretationsoffen, nicht als klares Dementi. Jede tatsächliche Verzögerung würde Konkurrenten wie AMD zusätzliche Zeit verschaffen, um bei KI-Server-Hardware aufzuholen.

Am Markt zeigt sich bereits jetzt eine spürbare Nervosität – unabhängig davon, wie die China-Frage am Ende ausgeht.

Ausblick

Halten die Investitionszusagen der Hyperscaler und bleibt Kyber ohne bestätigte Verzögerung, spricht vieles für eine Rückkehr Richtung 52-Wochen-Hoch bei 202,50 Euro – und potenziell darüber hinaus. Bestätigt sich dagegen ein Nullumsatz-Szenario bei H200 oder muss Nvidia eine konkrete Kyber-Verzögerung einräumen, droht ein Rücksetzer auf spürbar tiefere Kursniveaus.

Die nächsten Wegmarken sind klar datiert: die Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet. Sie zeigen, wie robust die KI-Investitionen der Branche wirklich sind. Nvidias eigene Zahlen folgen später im Berichtszyklus. Bis dahin bleiben der Status der China-Lizenz und jede neue Aussage zu Kyber die am genauesten beobachteten Variablen für die Aktie.