Wenn Jensen Huang diese Woche in Washington auftaucht, geht es um mehr als Small Talk. Der Nvidia-Chef soll einem Bericht zufolge an dem Staatsbankett teilnehmen, das Donald Trump für Chinas Präsidenten Xi Jinping ausrichtet. Für einen Konzern, dessen China-Geschäft seit Jahren zwischen Exportauflagen und politischem Kalkül schwankt, ist das keine Nebensächlichkeit.
Ganz neu wäre die Rolle für Huang nicht. Bereits im Mai reiste er mit Trumps Delegation nach Peking, wo Xi ein Gegenbankett ausrichtete. Damals nutzte er die Bühne, um sich für offenen Marktzugang und gegen schärfere Exportkontrollen starkzumachen — ein Muster, das sich in Washington wiederholen könnte, zumal Chip-Exportfragen zu den erwarteten Gesprächsthemen zwischen Trump und Xi zählen.
Exportfragen bleiben der wunde Punkt
Im Kern geht es um die H200-Chips. Die US-Regierung hatte den Verkauf nach China im Januar unter Auflagen genehmigt, darunter Mengenobergrenzen und Sicherheitszertifizierungen. Erste Lieferungen fielen bislang eher gering aus. Sollte Huang beim Bankett vermitteln, dürfte genau dieses Thema wieder zur Sprache kommen — mit Konsequenzen für ein bislang kaum ausgeschöpftes Umsatzpotenzial in einem der größten KI-Märkte weltweit.
Die Wall Street lässt sich davon bislang nicht beirren. Von 30 erfassten Analysten stufen alle Nvidia mit „Buy“ ein, das mittlere Kursziel liegt bei 324,30 Dollar.
Piper Sandler nahm die Aktie am 10. September mit einem Ziel von 300 Dollar auf, UBS hob Ende August von 280 auf 300 Dollar an, Citigroup zog von 300 auf 315 Dollar nach.
Auch operativ liefert Nvidia Anschlussgeschichten. LG Electronics ließ eine 2,6-Megawatt-Kühleinheit für Nvidias DSX-AI-Factory-Plattform zertifizieren — ein weiterer Baustein im wachsenden Ökosystem rund um Flüssigkühlung für KI-Rechenzentren. Parallel dazu bekräftigte Bank of America ihre Wachstumsprognose für die Halbleiterbranche und nennt Nvidia neben AMD und Marvell als bevorzugten Titel im Sektor.
Die Aktie selbst notiert derzeit rund vier Prozent unter ihrem Rekordhoch von 236,54 Dollar aus dem Mai, das zugleich als Widerstand gilt. Die Unterstützung liegt bei 210 Dollar, der Kurs bewegt sich klar über der 200-Tage-Linie.
Am Donnerstag treffen Trump und Xi in Washington aufeinander. Ob Huang tatsächlich am Bankett teilnimmt und welche Signale zu den Exportauflagen dabei fallen, ist noch offen — eine Bestätigung von Nvidia oder dem Weißen Haus steht bislang aus.
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