Er arbeitet sieben Tage die Woche, vom Aufwachen bis zum Zubettgehen — und denkt in der Freizeit weiter. Jensen Huangs Arbeitsethik ist legendär. Sein Vermögen von rund 170 Milliarden Dollar spricht für diese Strategie. Aber während der CEO seinen nächsten Zug plant, bewegt sich auch das Unternehmen selbst.
Vera: Nächste Front in China
Nvidia hat chinesischen Kunden signalisiert, dass Bestellungen für den neuen Vera-Prozessor ab sofort möglich sind — erste Lieferungen könnten bereits im August folgen. Das ist eine bemerkenswerte Wende. Noch im Oktober 2025 räumte Huang ein, der Marktanteil in China sei faktisch auf null gesunken, nachdem US-Exportbeschränkungen dem Unternehmen sukzessive den Zugang entzogen hatten.
Vera ist dabei kein gewöhnlicher Chip. Er ist NVIDIAs erster eigenständiger Prozessor für sogenannte agentische KI — Systeme, die Aufgaben autonom planen und ausführen. Mit 88 eigenen Rechenkernen und einer Speicherbandbreite von 1,2 Terabyte pro Sekunde soll er typische Infrastrukturaufgaben bis zu 1,8-mal schneller erledigen als vergleichbare x86-Prozessoren. Huang hatte ihn im März 2026 als potenzielles nächstes Milliardengeschäft bezeichnet.
CPU statt GPU — eine regulatorische Grauzone
Der strategisch entscheidende Punkt: Vera ist ein Zentralprozessor, kein Grafikchip. Bisherige US-Exportbeschränkungen zielten vor allem auf hochleistungsfähige GPUs ab — zuletzt etwa den H200. Ob der Vera-Verkauf nach China exportkontrollrechtlich unproblematisch ist, ließ Nvidia unkommentiert. Das Unternehmen bewegt sich hier möglicherweise in einer regulatorischen Grauzone, deren Grenzen noch nicht ausgelotet sind.
Zu den ersten chinesischen Interessenten gehören Alibaba Cloud und ByteDance. International beliefert Nvidia bereits Anthropic, OpenAI und Oracle Cloud mit frühen Vera-Systemen.
Neuer Wettbewerb auf altem Terrain
Der Vorstoß eröffnet eine neue Front im Wettbewerb mit Intel und AMD, die ihrerseits ihre Präsenz im Markt für KI-fähige Serverprozessoren ausbauen. Für China ist das besonders relevant: Heimische Anbieter wie Huawei füllten das durch Exportbeschränkungen entstandene Vakuum. Ende 2025 entfielen laut Branchendaten rund 41 Prozent des chinesischen KI-Servermarkts auf inländische Anbieter — gegenüber einem früheren Nvidia-Anteil von bis zu 95 Prozent.
Ob Vera dieses Terrain wirklich zurückgewinnen kann, hängt letztlich von zwei Variablen ab: der technischen Akzeptanz bei chinesischen Hyperscalern und der noch ungeklärten Exportrechtslage. Beide Antworten dürften sich in den kommenden Wochen herauskristallisieren — spätestens wenn die ersten Bestellungen offiziell bestätigt werden.
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