Nvidia spielt auf mehreren Brettern gleichzeitig. CEO Jensen Huang zieht in den Beirat der Wirtschaftshochschule der Tsinghua University in Peking ein — ein Signal, das weit über akademische Netzwerke hinausgeht. Der Chipkonzern hält den Kontakt zu China offen, obwohl Washington den Verkauf der stärksten KI-Beschleuniger weiter begrenzt.
Für die Aktie kommt dieser Schritt in einer sensiblen Phase. Der Kurs schloss am Donnerstag bei 184,00 Euro, seit Jahresanfang steht noch ein Plus von 14,21 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten bleibt der Zuwachs mit 50,82 Prozent kräftig, auch wenn der Abstand zum jüngsten Hoch inzwischen spürbar ist.
Peking bleibt strategisch wichtig
Der Tsinghua-Beirat ist prominent besetzt. Den Vorsitz führt Apple-Chef Tim Cook, weitere Mitglieder sind unter anderem Elon Musk, Microsoft-Chef Satya Nadella, Meta-Gründer Mark Zuckerberg und JPMorgan-Chef Jamie Dimon. Für Huang ist der Sitz damit auch ein diplomatischer Kanal in einem Markt, den Nvidia nicht einfach abschreiben kann.
Seit 2022 verhindern US-Exportkontrollen den Verkauf besonders leistungsfähiger KI-GPUs wie H100 und A100 an chinesische Kunden. Nvidia hat darauf mit angepassten Chips reagiert, darunter H20 und B30A. Diese Modelle sollen innerhalb der US-Regeln bleiben und dennoch Nachfrage in China bedienen.
Huang warnt seit Längerem vor einem vollständigen Rückzug. Seine Logik: Wer China aufgibt, schafft Raum für lokale Konkurrenten wie Huawei, Cambricon und SMIC. Die Tsinghua University gilt als eine der einflussreichsten Hochschulen des Landes; Präsident Xi Jinping zählt zu ihren Absolventen. Kein Wunder, dass dieser Beirat für internationale Konzernchefs mehr ist als ein akademisches Ehrenamt.
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Israel-Ausbau stärkt die Forschungsbasis
Parallel dazu baut Nvidia seine Präsenz in Israel aus. Das Unternehmen hat einen Mietvertrag über zehn Jahre für ein elfgeschossiges Gebäude im Yokneam Ofer Park unterzeichnet. Die Fläche umfasst rund 29.000 Quadratmeter.
Fertig werden soll der Standort im Jahr 2028. Der Vertrag hat ein Volumen von etwa 230 Millionen Schekel und ist an den Verbraucherpreisindex gekoppelt. Mit dem neuen Gebäude wächst Nvidias Präsenz im Park auf 67.000 Quadratmeter.
Hinzu kommt ein geplantes neues Hauptquartier in Kiryat Tivon mit 160.000 Quadratmetern Fläche. Die Botschaft ist klar: Nvidia verankert Forschung und Entwicklung breiter außerhalb der USA. Das reduziert keine geopolitischen Risiken, schafft aber operative Tiefe.
Rekordzahlen treffen auf neue Risiken
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, warum Nvidia diesen Spielraum hat. Der Umsatz stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres auf 81,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent. Der Bereich Rechenzentren bleibt der Motor und lieferte 75,2 Milliarden Dollar Umsatz.
Die wichtigsten Kennzahlen:
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- Bruttomarge: 75 Prozent
- Freier Cashflow: 48,6 Milliarden Dollar
- Quartalsdividende: 0,25 Dollar je Aktie
- Aktienrückkauf: Ermächtigung über 80 Milliarden Dollar
- Rechenzentrumswachstum: 92 Prozent zum Vorjahr
Trotz der starken Zahlen reagiert der Markt nicht blind euphorisch. Hyperscaler wie Google und Microsoft entwickeln zunehmend eigene KI-Chips. Das kann Nvidias Preissetzungsmacht langfristig testen, selbst wenn die aktuelle Nachfrage weiter hoch bleibt.
Technisch wirkt die Aktie nicht überhitzt. Der Kurs liegt 8,48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, der RSI von 36,4 signalisiert eher abgekühlte Dynamik als Kaufpanik. Die Volatilität bleibt mit 37,05 Prozent annualisiert aber hoch.
Der nächste Test heißt Wachstumstempo
Für das zweite Quartal peilt Nvidia 91 Milliarden Dollar Umsatz an. Huang bezeichnet die Nachfrage nach KI-Infrastruktur als „parabolisch“, getrieben vor allem durch agentenbasierte KI-Anwendungen. Das ist ein starkes Wort, passt aber zur Größenordnung des aktuellen Investitionszyklus.
China bleibt dabei die offene Flanke. Nvidia weist derzeit keine Rechenzentrums-Compute-Umsätze aus China aus, solange die US-Beschränkungen greifen. Der neue Tsinghua-Posten ändert daran kurzfristig nichts, hält aber die Gesprächskanäle offen.
Ein zusätzlicher Wachstumspfad liegt im Vera-CPU-Projekt. Nvidia adressiert damit einen Markt von 200 Milliarden Dollar; einzelne Analysten trauen dem Produkt im laufenden Geschäftsjahr bis zu 20 Milliarden Dollar Umsatz zu. Tigress Financial sieht das Kursziel bei 425 Dollar, der durchschnittliche Analystenwert liegt bei 305,38 Dollar.
Der unmittelbare Maßstab bleibt nun die Prognose für das zweite Quartal. Liefert Nvidia in Richtung der angepeilten 91 Milliarden Dollar und hält die Rechenzentrumsmarge stabil, bekommt die China-Diplomatie mehr Zeit. Verlangsamt sich das Wachstum, rückt der Wettbewerb durch eigene Chips der Großkunden schneller in den Vordergrund.
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