Die Computex-Keynote in Taipei war Nvidias bislang ambitioniertester Vorstoß in die Unterhaltungselektronik. Mit dem RTX Spark stellt der Chipkonzern einen Prozessor vor, der die Grenze zwischen Rechenzentrum und Schreibtisch endgültig einreißt. An der Börse sorgt das für klare Gewinner und Verlierer.
RTX Spark: Blackwell trifft MediaTek
Nvidias neuer Chip ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit dem taiwanesischen Halbleiterspezialisten MediaTek. Der RTX Spark kombiniert Nvidias Blackwell-GPU mit einem MediaTek-CPU-Kern auf einem einzigen System-on-Chip (SoC). Das Besondere: einheitlicher Speicher für CPU und GPU. Dadurch entfällt der Engpass bei KI-Anwendungen — große Sprachmodelle laufen direkt auf dem Gerät, ganz ohne Cloud.
Nvidia spricht von 1 Petaflop FP4-Rechenleistung. Die ersten Laptops kommen noch dieses Jahr von Microsoft, Dell, HP, ASUS, Lenovo und MSI. Morgan Stanley erwartet Einstiegspreise von mindestens 2.899 Dollar für die N1X-Variante und 1.799 Dollar für die abgespeckte N1.
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Schockwelle durch die Konkurrenz
Die Ankündigung traf Wettbewerber mit voller Wucht. Intel verlor am Montag knapp 4,7 Prozent auf 109,33 Dollar. Auch AMD und Qualcomm gaben nach — letzterer büßte 8,8 Prozent ein. Nvidia selbst legte 6,3 Prozent zu. Arm Holdings sprang um 16 Prozent: Jeder ARM-basierte Chip, auch Nvidias RTX Spark, spült dem britischen Designer Lizenzgebühren in die Kasse. Mediatek gewann in Taipei über fünf Prozent hinzu.
Die Tagesbewegungen relativieren sich im Jahresverlauf: AMD steht bei plus 130 Prozent, Intel bei knapp 200 Prozent. Nvidia-Aktien notieren heute in Frankfurt bei 192,12 Euro, ein Plus von 0,27 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus knapp 19 Prozent — ein gemäßigtes Tempo gemessen an den 54 Prozent in zwölf Monaten.
Analysten sehen Chance, aber keine Wunder
Seaport-Research-Analyst Jay Goldberg hält den RTX Spark technisch für vielversprechend, rechnet aber nicht mit schnellen Umsätzen. Windows auf ARM sei noch nicht auf dem Niveau von x86-Systemen. Breite Adoption brauche „mehrere Generationen“.
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Truist-Analyst William Stein bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 307 Dollar. Cathie Wood kaufte nach der Keynote 300.017 Nvidia-Aktien. Der KI-PC, den Microsoft 2024 ausrief, hatte bislang kaum Impulse gebracht. Nvidias Glaubwürdigkeit in KI könnte das ändern.
Parallel dazu meldete Nvidia-CEO Jensen Huang die nächste Generation Vera Rubin in voller Produktion. Erste Systeme gehen im Herbst an Kunden wie Anthropic, OpenAI, xAI, Dell, Oracle und CoreWeave.
Für Intel- und AMD-Anleger liegt das Risiko nicht in einem plötzlichen Marktverlust. Es liegt in der Erosion des margenstärksten Segments: Premium-Laptops, bei denen Kunden für KI-Features bereit sind, tief in die Tasche zu greifen. Nvidia hat den Fuß in der Tür. Ob der Riese auch ganz eintritt, entscheidet die nächste Produktgeneration.
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