Wer Nvidias leistungsstärkstes KI-System in China haben will, zahlt inzwischen einen horrenden Aufpreis. Der B300-Server, in den USA für rund 550.000 Dollar erhältlich, wechselt auf dem chinesischen Graumarkt für umgerechnet etwa eine Million Dollar den Besitzer — beinahe doppelt so viel wie noch Ende 2025.

Schmuggelkriminalität trifft auf explodierende Nachfrage

Verantwortlich für den Preisanstieg ist ein Zusammenspiel zweier Faktoren: einerseits die anhaltend hohe Nachfrage chinesischer Technologiekonzerne nach Rechenkapazität für KI-Anwendungen, andererseits der wachsende Druck auf illegale Lieferwege. Nachdem US-Behörden im März einen Mitgründer des Nvidia-Partners Supermicro wegen Chipschmuggels angeklagt hatten, brach ein wichtiger Versorgungskanal weitgehend zusammen — mit unmittelbaren Folgen für die Preise.

Der B300 gilt als eine der leistungsfähigsten Plattformen für KI-Inferenz überhaupt: 288 Gigabyte Hochbandbreiten-Speicher und 14 Petaflops Rechenleistung machen ihn besonders begehrt. Für chinesische Unternehmen, die Nvidias Technologie wegen der US-Exportbeschränkungen nicht auf regulärem Weg beziehen können, bleibt der Graumarkt trotz der gestiegenen Kosten oft die einzige Option. Wer den Kaufpreis nicht stemmen kann, weicht inzwischen auf Mietlösungen aus — zu Konditionen von bis zu 190.000 Yuan pro Monat.

Huawei wittert eine Chance

Die Lage spielt Nvidias Konkurrenten in die Hände. Huawei und andere chinesische Chiphersteller versuchen gezielt, die entstandene Versorgungslücke zu füllen und Nvidias Marktanteil von rund 55 Prozent in China unter Druck zu setzen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die eigentlich genehmigten H200-Exporte nach China bislang nicht zustande gekommen sind — die USA und China streiten noch über die Verkaufsbedingungen.

Zusätzlich wächst der Wettbewerb aus einer anderen Richtung: Das Start-up Cerebras Systems hat seinen IPO-Anlauf an der Nasdaq erneuert und positioniert sich explizit als günstigere Alternative zu Nvidias H100-Systemen. Mit Partnerschaften bei OpenAI und Amazon im Rücken könnte Cerebras mittelfristig zumindest einen Teil der preissensiblen Kundschaft abziehen.

Nvidia selbst betonte gegenüber Reuters, dass der B300 für China offiziell nicht freigegeben sei und Verstöße gegen Compliance-Vorgaben durch Partnerunternehmen konsequent verfolgt würden. Dass die Preise dennoch auf Rekordhöhen steigen, zeigt, wie groß der Hunger nach Rechenleistung in China trotz aller Hürden geblieben ist.