Jensen Huang reist selten ohne große Ankündigungen. Bei seinem Besuch in Tokio diese Woche hat der Nvidia-Chef gleich mehrere Baustellen bespielt: neue Robotik-Hardware, ein Netzwerk japanischer Großkonzerne und eine kleine Geschichtsstunde zur eigenen Firmenrettung. Der Kurs reagiert verhalten positiv — die eigentliche Story liegt aber in der strategischen Breite.
Neue Chips für Roboter der nächsten Generation
Am 15. Juli stellte Nvidia die Module T3000 und T2000 vor. Beide basieren auf der Thor-Architektur mit Blackwell-Technologie. Sie sollen humanoide und autonome Maschinen für den Massenmarkt tauglich machen.
Amazon Robotics und Boston Dynamics setzen die neue Technik bereits ein. Bei den Partnern UBTech und Agile Robots hat eine neue Speicheroptimierung den Speicherbedarf um bis zu 15 Gigabyte gesenkt. Das erlaubt komplexere KI-Anwendungen auf kompakten, stromsparenden Systemen — Robotik verlässt damit das Testlabor und wandert in echte Fabrikhallen.
Japan als Testfeld für lokale KI-Modelle
Parallel baut Nvidia ein maßgeschneidertes KI-Ökosystem für Japan auf. Über die offenen „Nemotron“-Modelle und zugehörige Datenbibliotheken entwickeln japanische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups eigene Anwendungen. Im Fokus stehen die japanische Sprache und der demografische Wandel im Land.
Mitsubishi Heavy Industries und Toyota gehören zu den prominentesten Partnern. Mit Toyota erweitert Nvidia eine bestehende Kooperation, gemeinsames Ziel sind smarte Städte und autonome Fabriken. Zusätzlich arbeitet Nvidia mit japanischen Forschungsinstituten an nationalen KI-Grundlagen, die Organisationen eigene, selbst kontrollierte Anwendungen ermöglichen.
Eine alte Schuld und neue China-Exporte
Bei einem Fan-Event im Tokioter Stadtteil Akihabara wurde Huang persönlich. Er dankte dem früheren Sega-Präsidenten Shoichiro Irimajiri für eine Investition von 5 Millionen Dollar Ende der 1990er-Jahre. Diese habe Nvidia nach eigener Aussage vor der Pleite bewahrt, als die GPU-Entwicklung damals in eine kritische Schieflage geriet.
Während Huang in Japan Zukunftspläne schmiedet, meldet Washington Bewegung im China-Geschäft. Das US-Handelsministerium bestätigte am 14. Juli, dass Lieferungen von Nvidias H200-KI-Chips nach China begonnen haben. Jeder chinesische Käufer durchläuft dabei eine einzelne nationale Sicherheitsprüfung. Der H200 liegt zwar hinter der aktuellen Blackwell-Generation zurück, bleibt für den chinesischen Markt aber ein wichtiger Konkurrenzprozessor.
Kurs zeigt stabilen Aufwärtstrend
Die Nvidia-Aktie schloss am Mittwoch bei 185,24 Euro. Damit liegt der Kurs 1,83 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 181,91 Euro und seit Jahresbeginn 14,98 Prozent im Plus. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Plus sogar 25,81 Prozent.
Zum Rekordhoch von 202,50 Euro aus Mitte Mai fehlen noch 8,52 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 57,6 zeigt neutrales Terrain, trotz eines Wochenplus von 4,40 Prozent liegt keine Überhitzung vor. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 37,75 Prozent bleibt hoch — ein Zeichen dafür, wie dynamisch der Sektor auf Nvidias Vorstoß in Richtung „physische KI“ und Edge Computing reagiert.
Die kommenden Monate dürften zeigen, wie schnell sich die neuen Thor-Module bei Robotik-Herstellern durchsetzen. Mit Amazon Robotics und Boston Dynamics als frühen Abnehmern hat Nvidia bereits zwei Schwergewichte der Branche an Bord.
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