US-Präsident Donald Trump lässt Berichte über eine mutmaßliche chinesische Spionageaffäre im Umfeld von Nvidia „sehr genau“ prüfen. Gleichzeitig stellte er sich gestern öffentlich hinter Nvidia-Chef Jensen Huang. Für Anleger steht damit die politische Prüfung im Mittelpunkt – nicht ein nachgewiesener Verstoß des Unternehmens gegen Exportbeschränkungen.

Trump hält an Huang fest

Nach Berichten von CNA und der Straits Times lobte Trump den Nvidia-Chef und möchte ihn weiterhin als Berater behalten. Dies gelte allerdings nur, solange keine gegenteiligen Erkenntnisse auftauchten. Huang beriet Trump zur KI-Politik und begleitete ihn im Mai nach Peking.

Auslöser ist ein Bericht der New York Times vom Donnerstag. Demnach vermuten US-Geheimdienste, dass eine chinesische Geschäftsfrau mit Verbindung zu einem Rechenzentrumsunternehmen in Singapur Informationen nach Peking weitergegeben habe. Dabei geht es um Alice Huang, die mit Megaspeed verbunden war. Sie ist nicht mit Jensen Huang verwandt.

Der Bericht nennt keine Belege dafür, dass der Nvidia-Chef wissentlich mitgewirkt habe. China wies die Darstellung als „haltlose Spekulation“ zurück. Die Geheimdienstvorwürfe sind damit weiterhin als Vorwürfe zu behandeln.

Singapur grenzt Ermittlungen klar ab

Singapurs Innenministerium stellte gestern klar, dass die Behörden Alice Huangs mutmaßliche Verbindungen zu chinesischen Geheimdiensten nicht untersucht hätten. Auch entsprechende Bedenken hätten sie nicht geäußert. Damit widersprach das Ministerium einem Bericht des Wall Street Journal vom Freitag.

Davon getrennt laufen Ermittlungen gegen Megaspeed weiter. Die Polizei bestätigte diese Untersuchung, machte aber keine näheren Angaben. Aus der laufenden Untersuchung gegen das Unternehmen lässt sich deshalb keine Bestätigung der Spionagevorwürfe gegen Alice Huang ableiten.

Nvidia erklärte seinerseits, die GPU-Lieferungen an Megaspeed geprüft und keine unzulässige Weiterleitung nach China festgestellt zu haben. Huang bezeichnete seine Beziehungen zu der betroffenen Organisation laut Bloomberg News gestern als „normal“. Das Unternehmen charakterisierte die Kontakte als geschäftsüblich.

Exportpolitik bleibt der entscheidende Zusammenhang

Die Affäre berührt ein für Nvidia politisch sensibles Thema: den Zugang chinesischer Kunden zu fortgeschrittenen KI-Chips. US-Lizenzen für H200-Verkäufe wurden seit dem 13. Januar fallweise geprüft. Zugleich kann China entsprechende Käufe weiterhin beschränken.

Trumps Rückendeckung für Huang bedeutet daher keine pauschale Entwarnung bei Exportfragen. Umgekehrt belegt die angekündigte Prüfung keinen Regelverstoß Nvidias. Entscheidend bleibt die Trennung zwischen Geheimdienstvorwürfen, den Ermittlungen gegen Megaspeed und Nvidias eigener Erklärung zur Einhaltung der Exportkontrollen. Bislang stehen diese Punkte nebeneinander, ohne einen bestätigten Verstoß des Konzerns zu ergeben.