Liebe Traderinnen und Trader,

ein einziger Analystenpost kostete Cerebras am Mittwoch rund 7 Prozent. OpenAI lässt sein neues Hochgeschwindigkeitsmodell GPT-6.1 Sol Ultrafast laut SemiAnalysis auf gewöhnlichen Nvidia-Grafikprozessoren laufen, nicht auf Cerebras-Hardware. Damit greift Nvidia genau den Markt an, in dem Cerebras seinen Vorsprung sah: die Ausgabe von Text mit minimaler Verzögerung.

Die Lehre für Trader: Im Chipsektor werden Geschichten binnen Stunden umgeschrieben, und wer heute Abend vor den Micron-Zahlen Chipwerte im Depot hält, sollte das nicht vergessen.

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Nvidia vor dem Hoch, Burry setzt auf Puts

Nvidia steht kurz vor dem Ausbruch, und das Geld der Stockpicker folgt. Nvidia notiert im Verlauf bei rund 203 Euro, 1,5 Prozent fester, und damit nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 205,25 Euro vom Montag.

Die Ultrafast-Stufe verspricht bis zu 300 Token pro Sekunde, also eine bis zu achtfach schnellere Textausgabe. Cerebras hat sich nicht geäußert; die Wafer-Scale-Engine des Unternehmens verkaufte sich bislang über genau dieses Latenz-Argument.

Das Kapital rotiert bereits: Cathie Woods ARK verkaufte 181.767 AMD-Aktien für rund 110 Millionen Dollar und kaufte dafür Nvidia und Broadcom. AMD hatte am Montag die Übernahme des 3D-KI-Startups World Labs für rund 8,2 Milliarden Dollar in Aktien vereinbart, ohne Umsatzzahlen zu nennen.

Die AMD-Aktie liegt bei etwa 531 Euro leicht im Minus, nach dem 52-Wochen-Hoch von 566,50 Euro am 25. September. Intel gewinnt im Verlauf dagegen 3 Prozent.

FormFactor sprang um 8,5 Prozent, nachdem die Deutsche Bank die Aktie mit Kaufen und Kursziel 200 Dollar aufnahm. Der Testtechnik-Hersteller FormFactor ist zweite qualifizierte Quelle für Prüfkarten an Nvidias bei TSMC gefertigten Chips.

Auf der Gegenseite steht Michael Burry. Burry hat Short-Positionen durch Put-Optionen ersetzt, auf Nvidia, den Halbleiter-ETF SOXX und auf Micron mit Basispreis nahe 500 Dollar und Laufzeit Juni 2027. Micron liefert nach US-Börsenschluss die Quartalszahlen, die Optionsmärkte preisen eine Bewegung von gut 7,5 Prozent in beide Richtungen ein.

Die eigentliche Frage des Abends ist deshalb nicht, ob Micron die Erwartungen schlägt, sondern ob ein Sektor auf Rekordniveau einen Schlag überhaupt noch bezahlt – Cerebras zeigt an diesem Mittwoch, wie dünn das Eis unter jeder KI-Story geworden ist.

CTS Eventim: Der Chef zieht bei 51,93 Euro eine Linie

CTS Eventim liefert das Lehrstück des Tages für Insiderkäufe als Kursstütze. Finanzchef William Willms, erst seit Jahresbeginn im Amt, trat mit sofortiger Wirkung zurück; Philipp Knigge übernimmt übergangsweise. Die CTS-Eventim-Aktie brach in der Spitze um 14,5 Prozent auf 48,40 Euro ein, den tiefsten Stand seit November 2022 und ein neues 52-Wochen-Tief.

Dann kam die Pflichtmitteilung: Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg kaufte Aktien für rund 10 Millionen Euro zu 51,93 Euro je Stück. Seitdem hat sich das Papier auf etwa 52,75 Euro erholt, im Verlauf noch gut 6 Prozent im Minus. JPMorgan-Analystin Simpson bleibt positiv, Jefferies blickt auf den Kapitalmarkttag im November.

Für Trader ist die Marke jetzt klar: Der Chef hat bei 51,93 Euro eine Linie gezogen, und das Tagestief bei 48,40 Euro ist die letzte Unterstützung darunter. Ein CFO-Abgang ohne Erklärung bleibt allerdings ein offenes Risiko, bis Ersatz und Zahlenwerk stehen.

BMW kauft sich Zeit bis in die 2030er

BMW zeigt, wie ein Kapitalmarkttag eine Aktie am 52-Wochen-Tief kurzfristig dreht. Der Konzern will die operative Marge im Autogeschäft bis Anfang der 2030er Jahre zurück in den Zielkorridor von 8 bis 10 Prozent bringen.

Als Zwischenschritt sollen 2028 nur 3 bis 5 Prozent erreicht werden; der freie Cashflow im Autogeschäft soll auf mindestens 7 Milliarden Euro steigen.

Die BMW-Aktie notiert im Verlauf bei rund 55 Euro, leicht fester, nachdem sie am Dienstag bei 52,50 Euro ein 52-Wochen-Tief markiert hatte. Seit Jahresbeginn hat BMW 41 Prozent verloren.

Die Bewertung des Sektors ist inzwischen extrem: FactSet erwartet für 2026 bei Volkswagen-Vorzügen ein KGV von 4,23 und bei Mercedes-Benz eine Dividendenrendite von 7,59 Prozent.

Der Haken für Anleger: Eine Marge von 3 bis 5 Prozent erst in zwei Jahren ist kein Turnaround, sondern eine Durststrecke mit Ansage. Wer hier einsteigt, kauft eine Bodenbildung, kein Momentum.

Gleichzeitig trifft der Zinsdruck die Zinssensiblen: Vonovia fällt im Verlauf 2,6 Prozent auf das Niveau seines 52-Wochen-Tiefs, nachdem die deutsche Inflation im September auf 3,3 Prozent sprang. Die Helaba rechnet mit einer EZB-Zinserhöhung zum Jahresende und einer weiteren im ersten Quartal 2027.

Drohnenabwehr zieht das Geld, Rheinmetall wartet

Im Rüstungssektor fließt das Geld in die Drohnenabwehr, nicht in die großen Namen. Echodyne erhielt vom US-Programm „Domestic Shield“ einen Rahmenvertrag über bis zu 250 Millionen Dollar für Radarsysteme.

Smart Shooter meldete aus demselben Programm einen Vertrag über bis zu 150 Millionen Dollar; die Aktie sprang in Tel Aviv um 30,6 Prozent. In Deutschland nahm der Flughafen BER ein Drohnenerkennungssystem in Betrieb, die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei soll bis Jahresende auf 300 Beamte wachsen.

Rheinmetall dagegen wartet weiter auf den erhofften Arminius-Milliardenauftrag und meldete nur einen neuen US-Auftrag. JPMorgan setzt die Aktie für das vierte Quartal auf „Negative Catalyst Watch“: Rheinmetall peilt für 2030 einen Umsatz von 50 Milliarden Euro an, die Bank modelliert lediglich 36,9 Milliarden Euro.

Rheinmetall notiert im Verlauf bei rund 955 Euro, leicht schwächer, und liegt seit Jahresbeginn 39 Prozent im Minus. Das 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro vom 25. Juni ist die Marke, die halten muss.

Wer im Sektor nach Kurstreibern sucht, findet sie bei JPMorgan eher bei MTU Aero Engines. Die Bank führt MTU vor dem Kapitalmarkttag am 30. November auf „Positive Catalyst Watch“. Der Triebwerksrückruf hat MTU rund 1 Milliarde Dollar gekostet und soll bis Jahresende abgeschlossen sein.

Ein Warnsignal für die gesamte Branche kommt aus Estland: Geheimdienstchef Margo Palloson macht Russland für einen Brandanschlag auf Milrem Robotics verantwortlich und spricht von einer beträchtlichen Zahl von Sabotageversuchen gegen europäische Rüstungsfirmen.

Bitcoin: Kurzer Squeeze, enge Zonen

Bitcoin hat den US-Inflationsbericht als Kauftrigger genutzt, aber nur kurz. Der PCE-Preisindex stieg im August um 3,4 Prozent zum Vorjahr, erwartet waren 3,7 Prozent; die Kernrate lag bei 3,0 statt 3,3 Prozent.

Bitcoin sprang darauf kurz über 85.000 Dollar bis knapp 85.600 Dollar, dabei wurden binnen einer Stunde Short-Positionen im Volumen von 75 Millionen Dollar liquidiert. Aktuell notiert die Kryptowährung wieder um 84.100 Dollar, ein halbes Prozent fester.

Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung am 28. Oktober fiel von rund 70 Prozent zu Wochenbeginn auf unter 50 Prozent. Bremsend wirken Öl und Anleihen: Brent stieg wegen des Iran-Kriegs erneut Richtung 100-Dollar-Marke, die zehnjährige US-Rendite hält über 5,2 Prozent, den höchsten Stand seit 2007.

Die Kaufzonen sind eng gesteckt: erste Unterstützung bei 82.100 Dollar, dahinter die 50-Wochen-Linie um 81.000 Dollar. Nach oben blockieren 85.600 und 87.600 Dollar.

Die US-Spot-ETFs sammelten zwischen dem 21. und 25. September 2,39 Milliarden Dollar ein. Zugleich sitzen Trader auf dem höchsten unrealisierten Gewinnpolster seit 21 Monaten – und die Spot-Nachfrage kühlt ab. Galaxy Research hält historisch ein Zyklustief im vierten Quartal zwischen 40.000 und 46.000 Dollar für möglich; Bitwise berichtet dagegen, dass keine der 15 befragten Großinstitutionen im Juni verkauft hat.

Ethereum pendelt zwischen 2.655 und 2.730 Dollar. Analysten erwarten vor einer Rally Richtung 3.000 bis 3.400 Dollar zunächst einen Rücksetzer auf 2.400 bis 2.500 Dollar, gestützt auf das für das vierte Quartal geplante Glamsterdam-Upgrade.

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Marschroute

Bei Bitcoin entscheidet die Zone 81.000 bis 82.100 Dollar über den Oktober-Start, ein Tagesschluss über 85.600 Dollar öffnet den Weg zu 87.600. Nvidia braucht einen Ausbruch über 205,25 Euro, sonst droht nach den Micron-Zahlen heute Nacht die Gewinnmitnahme im gesamten Chipsektor.

CTS Eventim hält, solange 51,93 Euro als Insider-Marke verteidigt werden; unter 48,40 Euro fehlt jede Unterstützung. Rheinmetall bleibt ohne Arminius-Auftrag ein Kandidat für den Test von 902,50 Euro. Gold liegt nahe 4.150 Dollar und auf Monatssicht knapp 7 Prozent im Minus – bei US-Renditen auf 20-Jahres-Hochs kein Absicherungsersatz.

Gute Trades,

Ihr Andreas Sommer