Nvidia, Salesforce & VW: Wenn Chipgiganten die Richtung vorgeben – und deutsche Konzerne Jobsicherheit schaffen

Nvidia steht vor einem entscheidenden Quartalsbericht, während europäische Softwarefirmen unter KI-Druck geraten und VW mit einer Beschäftigungssicherung für Stabilität sorgt.

Nvidia, Salesforce & VW: Wenn Chipgiganten die Richtung vorgeben – und deutsche Konzerne Jobsicherheit schaffen
Kurz & knapp:
  • Nvidia-Bericht als Stimmungstest für Tech-Sektor
  • Europas Softwarebranche kämpft mit Neubewertung
  • VW sichert PowerCo-Jobs bis Ende 2030
  • Verteidigungs- und Finanzwerte als Marktgewinner

Liebe Leserinnen und Leser,

drei Schlagzeilen, drei Welten: Während an der Wall Street alle auf Nvidia warten, kämpfen europäische Softwarekonzerne mit AI-bedingten Bewertungseinbrüchen – und in Salzgitter sichert VW seiner Batterietochter die Zukunft bis 2030. Was diese drei Entwicklungen verbindet? Sie zeigen, wie unterschiedlich Unternehmen auf denselben Megatrend reagieren: Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln, aber längst nicht überall gleich schnell. Während Nvidia als Profiteur glänzt, stehen Softwareriesen unter Rechtfertigungsdruck. Und deutsche Industriekonzerne? Die setzen auf Planungssicherheit statt Disruption.

Nvidia im Spotlight: Warum Mittwoch zum Stimmungstest für den gesamten Tech-Sektor wird

Am Mittwoch legt Nvidia seine Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vor – und die Erwartungen könnten kaum höher sein. Analysten rechnen mit einem Umsatz von 65,9 Milliarden Dollar, was einem Plus von 71 Prozent entspräche. Beim Gewinn je Aktie wird ein Anstieg von ebenfalls 71 Prozent erwartet. Klingt beeindruckend, doch genau hier liegt das Problem: Nvidia hat die Messlatte selbst so hoch gelegt, dass selbst starke Zahlen enttäuschen könnten.

Die Aktie legte seit Ende 2022 über 1.500 Prozent zu, steht 2026 aber nur noch minimal im Plus. Der Grund? Investoren zweifeln zunehmend, ob die „Hyperscaler“ wie Microsoft, Amazon und Google ihre massiven KI-Investitionen jemals in Rendite verwandeln können. Microsoft-Aktien verloren allein dieses Jahr über 17 Prozent, Amazon büßte 11 Prozent ein – beides Schwergewichte, die Nvidias Chips in Milliardenhöhe kaufen.

Entscheidend wird diesmal nicht nur die Bilanz, sondern vor allem der Ausblick von CEO Jensen Huang. Kann er die Zweifel zerstreuen und seinen eigenen Kunden Rückendeckung geben? Falls ja, könnte das dem gesamten Tech-Sektor Auftrieb verleihen. Falls nein, droht eine Neubewertung weit über Nvidia hinaus.

Europas Software-Sektor im Sinkflug: Warum Salesforce und Intuit unter Beweis stellen müssen

Während Nvidia als KI-Gewinner gilt, kämpft die Softwarebranche mit einer brutalen Neubewertung. Der iShares Expanded Tech-Software ETF sackte von seinem Höchststand bei über 16x Umsatz auf nur noch 3,9x ab. Europäische Namen wie Dassault Systèmes verloren 28,8 Prozent in zwölf Monaten, Wolters Kluwer büßte 44,9 Prozent ein.

Die Angst ist konkret: KI-Tools von OpenAI oder Anthropic könnten klassische Softwarelizenzen überflüssig machen. Nicht sofort, aber schleichend. Unternehmen befürchten, dass Anbieter wie Salesforce oder ServiceNow gezwungen werden, KI-Funktionen kostenlos in bestehende Verträge zu packen – statt damit neue Umsätze zu generieren. Das Szenario erinnert an Microsoft in den 2000ern: Umsatz wuchs solide, die Aktie dümpelte 14 Jahre lang vor sich hin.

Nächste Woche legen mit Salesforce und Intuit zwei Schwergewichte ihre Zahlen vor. Investoren wollen eine klare Antwort: Können diese Firmen KI monetarisieren – oder wird die Technologie zum Margenkiller? Besonders pikant: Einige KI-Anbieter subventionieren derzeit die Nutzung ihrer Modelle, was die Kosten künstlich niedrig hält. Sobald diese Subventionen enden, könnten Softwareanbieter in die Zwickmühle geraten.

VW PowerCo: Beschäftigungssicherung bis 2030 – ein Signal der Stabilität in unsicheren Zeiten

Während in den USA Tech-Konzerne Tausende Stellen streichen, geht VW den umgekehrten Weg. Die Batterietochter PowerCo einigte sich mit der IG Metall auf eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 für rund 2.000 Mitarbeiter. Betriebsbedingte Kündigungen sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen – ein bemerkenswertes Zugeständnis in einer Branche, die unter enormem Kostendruck steht.

Die Kehrseite: Eine vereinbarte Lohnerhöhung von 5,5 Prozent wird bis April 2031 gestundet. VW kauft sich damit Zeit und Flexibilität, während die Belegschaft Planungssicherheit erhält. Für den Standort Salzgitter, wo seit Dezember die erste Zellfabrik produziert, ist das ein wichtiges Bekenntnis. Über eine Milliarde Euro flossen bereits in den Aufbau.

Die Vereinbarung zeigt: Deutsche Industriekonzerne setzen auf langfristige Stabilität statt kurzfristige Kostenoptimierung. In Zeiten, in denen Tesla Produktionsrückgänge meldet und die E-Auto-Nachfrage schwächelt, könnte diese Strategie aufgehen – oder VW die Hände binden, falls die Transformation holpriger verläuft als geplant.

Europas Aktienmärkte: Verteidigung und Finanzen triumphieren, Konsumgüter leiden

Ein Blick auf die europäischen Top-Performer der letzten zwölf Monate offenbart eine klare Gewinner-Verlierer-Struktur. Rheinmetall schoss um 154 Prozent nach oben, Saab legte 130 Prozent zu, Leonardo gewann 89,6 Prozent. Die Botschaft: Geopolitische Spannungen und steigende Verteidigungsbudgets treiben Rüstungsaktien auf Rekordhöhen.

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Auf der anderen Seite stehen Konsumgüter-Riesen unter Druck. Novo Nordisk verlor 47,9 Prozent, Diageo büßte 36,8 Prozent ein, Pernod Ricard gab 32,9 Prozent ab. Auch Schweizer Qualitätsnamen wie Givaudan (-20,7 Prozent) oder Straumann (-18,2 Prozent) enttäuschten. Die Gründe sind vielfältig: schwächelnde Konsumnachfrage, Margendruck und bei Pharma-Titeln wie Novo Nordisk auch enttäuschende Studiendaten.

Besonders bemerkenswert: Europäische Finanzwerte dominierten die Performance-Tabelle. Société Générale stieg um 153 Prozent, Commerzbank um 129,6 Prozent, Banco Santander um 125,6 Prozent. Niedrige Bewertungen, steigende Zinserträge und Konsolidierungsfantasien befeuerten die Rallye. Für deutsche Anleger mit Fokus auf Dividenden und Value bleibt der Bankensektor damit spannend – auch wenn politische Risiken wie UniCredits Interesse an der Commerzbank für Unsicherheit sorgen.

Trump 2.0: Zoll-Chaos geht weiter – diesmal mit 15 Prozent

Das Oberste US-Gericht hat Donald Trump einen schweren Dämpfer verpasst und seine pauschalen Zölle auf Basis des Notstandsgesetzes gekippt. Die Antwort des Präsidenten? Ein neuer Universalzoll von zunächst 10, dann 15 Prozent – diesmal auf Grundlage eines Handelsgesetzes aus 1974. Diese Regelung erlaubt Zölle für maximal 150 Tage, danach bräuchte Trump die Zustimmung des Kongresses.

Für europäische Exporteure bleibt die Lage verworren. Unklar ist, welche bilateralen Deals Bestand haben – darunter auch das Abkommen mit der EU. Bundeskanzler Merz kündigte Gespräche mit Trump in Washington an und will eine „klare europäische Haltung“ formulieren. Doch solange die USA ihre Zollpolitik im Wochenrhythmus ändern, bleibt Planungssicherheit Mangelware.

Besonders brisant: Importeure könnten unrechtmäßig gezahlte Zölle zurückfordern – es geht um geschätzte 175 Milliarden Dollar. Das Chaos dürfte sich also noch Monate hinziehen. Für Anleger bedeutet das: Volatilität bei exportlastigen Titeln wie Siemens, BMW oder BASF bleibt ein Dauerthema.

Was diese Woche noch wichtig wird

Neben Nvidia stehen weitere Tech-Schwergewichte auf der Bilanz-Agenda: Salesforce, Zoom, Snowflake und C3.ai legen ihre Zahlen vor. Auch NEL, SoundHound AI und D-Wave Quantum berichten – ein bunter Mix aus etablierten Playern und spekulativen KI-Wetten. Am Dienstag hält Trump seine State of the Union-Rede, die für neue Impulse – oder Irritationen – sorgen könnte.

Für deutsche Anleger bleibt die Frage: Setzt man auf die KI-Gewinner wie Nvidia, oder nutzt man die Schwäche bei europäischen Qualitätstiteln zum Einstieg? Die kommenden Tage dürften Klarheit bringen – oder die Unsicherheit vertiefen.

Bis dahin wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Start in die Woche!

Herzliche Grüße
Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 1814 Artikel

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