Liebe Leserinnen und Leser,
die Antwort auf meine gestrige Frage liegt nun vor. Ich wollte wissen, ob der Markt den Tech-Giganten bei ihren KI-Milliarden Gnade gewährt oder das gleiche harte Urteil fällt wie bei Qiagen. Das Ergebnis: differenziert. Alphabet brach auf ein neues 52-Wochen-Hoch aus, Microsoft gab leicht nach, Meta wurde abgestraft. Der Markt sortiert weiter – aber er sortiert nicht blind.
Doch der eigentliche Treiber des Donnerstags kam nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus dem Persischen Golf. Ein abrupter Ölpreis-Rücksetzer löste in Frankfurt eine Intraday-Wende aus, die den DAX von seinem Tagestief bei 23.715 Punkten bis auf 24.292 Zähler katapultierte. Plus 1,41 Prozent an einem Tag, plus rund 7 Prozent im April. Das verdient eine genauere Betrachtung.
Öl als Stimmungsbarometer: Von 126 auf 115 Dollar in Stunden
Die Sorge um eine Eskalation an der Straße von Hormus und mögliche US-Militärschläge gegen den Iran trieb den Brent-Preis am Donnerstagmorgen auf ein Vierjahreshoch von 126,41 US-Dollar. Dann drehte die Stimmung. Brent fiel im Tagesverlauf um fast 3,5 Prozent und pendelte sich bei 114 bis 115 US-Dollar ein. Für die europäischen Aktienmärkte war das wie ein Ventil, das sich öffnete: Der Druck auf die Margen, den Energiepreise in dieser Höhe erzeugen, ließ schlagartig nach.
Die Entspannung kam zur richtigen Zeit. Denn die makroökonomischen Daten aus Deutschland fielen besser aus als befürchtet: Das BIP wuchs im ersten Quartal um 0,3 Prozent – die Prognose lag bei 0,2 Prozent. Noch am Vortag hatte das Bundeswirtschaftsministerium mit seinem Nowcast-Modell exakt null Prozent Wachstum signalisiert. Die EZB beließ den Einlagensatz derweil bei 2,0 Prozent. Die Geldmärkte preisen für dieses Jahr Zinserhöhungen von 72 Basispunkten ein, etwas weniger als noch am Morgen.
DAX: DHL überzeugt, VW enttäuscht – der Markt differenziert
Auf Unternehmensebene setzte sich der Ausleseprozess fort, den ich in dieser Woche mehrfach beschrieben habe. DHL Group lieferte ein operatives Ergebnis von 1,5 Milliarden Euro im ersten Quartal, ein Plus von 8,3 Prozent. Die Aktie legte 5,4 Prozent zu und schloss über 50 Euro. Im MDAX sprang Kion nach einem starken Projektgeschäft um 7,2 Prozent.
Alphabet liefert 63 Prozent Cloud-Wachstum, Microsoft 40 Prozent bei Azure – der Markt belohnt KI-Substanz. Welche drei Unternehmen Experten als die eigentlichen Grundpfeiler des KI-Wachstumsmarkts sehen, zeigt dieser kostenlose Report. Kostenlose KI-Aktien-Analyse jetzt herunterladen
Bei den Autobauern bestätigte sich das Bild der vergangenen Tage. VW meldete einen Gewinnrückgang von 14 Prozent bei einer operativen Marge von nur 3,3 Prozent – und die Aktie stieg trotzdem um 1,5 Prozent, weil die Erwartungen bereits tief lagen. Porsche AG übertraf operativ die Analystenprognosen und gewann 2,8 Prozent. Die China-Schwäche frisst sich weiter durch die Bilanzen, aber der Markt hat begonnen, sie einzupreisen.
Nasdaq 100: Die Zahlen sind da, jetzt zählt die Technik
Der Nasdaq 100 notiert im Bereich von 27.400 Punkten und hat im April knapp 15 Prozent zugelegt. Gestern hatte ich die kritische Marke von 27.380 Punkten als Ausbruchslevel genannt – sie wurde erreicht. Das nächste Ziel liegt bei 28.000 Punkten, danach erwarten Marktbeobachter eine Korrektur.
Die Quartalszahlen liefern das Fundament für die nächste Orientierung. Microsoft meldete einen Q3-Umsatz von 82,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent. Azure wuchs um 40 Prozent. Die Aktie gab dennoch leicht auf 418 US-Dollar nach – der Markt hatte mehr erwartet, oder zumindest klarere Signale, dass die milliardenschweren Rechenzentrumsbauten sich in Marge übersetzen. Alphabet hingegen überraschte mit einem Cloud-Wachstum von 63 Prozent und markierte bei 377,03 US-Dollar ein neues 52-Wochen-Hoch. Meta wurde nach einem schwachen Ausblick abverkauft.
Für aktive Anleger kristallisieren sich nach diesen Reaktionen konkrete Zonen heraus. Beim Nasdaq 100 gilt ein Rücksetzer in den Bereich um 26.000 Punkte als attraktives Einstiegsniveau, abgesichert bei 25.200 Punkten, mit einem mittelfristigen Ziel von 30.000 Punkten. Bei Microsoft sehen Analysten den Einstiegsbereich zwischen 411 und 420 US-Dollar, das Kursziel bei 499 bis 513 US-Dollar.
Krypto: Bitcoin stagniert, Altcoins leben
Bitcoin steckt unter der Widerstandszone von 78.000 bis 80.000 US-Dollar fest und notiert bei rund 76.000 US-Dollar. Die US-Spot-ETFs verzeichneten den dritten Tag in Folge Nettoabflüsse, zuletzt 138 Millionen US-Dollar. Das Momentum gehört derzeit nicht Bitcoin, sondern einzelnen Altcoins.
XRP profitiert von der Integration in das Rakuten-Pay-Ökosystem mit seinen 44 Millionen Nutzern. Die SEC hat XRP neben Bitcoin und Solana zu den berechtigten Trust-Assets hinzugefügt. Technisch handelt der Coin bei 1,37 US-Dollar, eingeklemmt zwischen der Unterstützung bei 1,35 und dem Widerstand an der 50-Tage-Linie bei 1,41 US-Dollar. Gegen den breiten Trend verzeichneten XRP-Spot-ETFs sogar leichte Zuflüsse.
Dogecoin zeigt derweil ungewöhnliche Aktivität am Terminmarkt: Das Open Interest ist auf ein 4-Monats-Hoch von 433 Millionen US-Dollar gestiegen. Der Coin durchbrach eine absteigende Trendlinie und notiert bei 0,106 US-Dollar. Solana dagegen bildet bei 83 US-Dollar ein bärisches Muster – fällt der Support bei 80 US-Dollar, drohen Rücksetzer bis 70 US-Dollar.
Was jetzt zählt
Nach dem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende richtet sich der Blick auf den 4. Mai. In Mailand stimmen die UniCredit-Aktionäre über den Commerzbank-Deal ab. Nach US-Börsenschluss folgen die Zahlen von Palantir, die zeigen werden, ob sich die KI-Euphorie im Software-Sektor tatsächlich in Umsatz übersetzen lässt.
Der April zeigt es eindrucksvoll: Nur Unternehmen, die liefern, werden vom Markt belohnt – doch welche Tech-Sektoren bergen darüber hinaus Renditechancen, die viele Anleger noch gar nicht auf dem Schirm haben? Der kostenlose Report „Das große Tech-Comeback“ beleuchtet Wachstumsmärkte wie Cybersecurity, Industrie 4.0 und Robotik und zeigt, wie Anleger gezielt positioniert sein können. Jetzt kostenlosen Tech-Report sichern
Der April endet mit einer klaren Botschaft: Die Märkte belohnen Unternehmen, die liefern, und bestrafen jene, die nur versprechen. DHL liefert, Alphabet liefert, VW verspricht Besserung. Dass der Ölpreis an einem einzigen Tag den Unterschied zwischen Verlust und Rallye ausmachen kann, zeigt allerdings auch, wie fragil die Erholung bleibt. Die geopolitische Risikoprämie ist nicht verschwunden – sie hat nur eine Pause eingelegt.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


