Auf die jüngste Rally folgt am Rohölmarkt eine Atempause. Nach dem Anstieg auf den höchsten Stand seit April geben die Notierungen am Montag nach. Dahinter steht vor allem die vorsichtige Hoffnung auf diplomatische Gespräche, die eine weitere Eskalation im Nahen Osten abwenden könnten.
Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 114,85 Dollar. Das entspricht einem Abschlag von rund eineinhalb Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.
Diplomatie sorgt für kurzzeitige Entlastung
Am Markt überwog zu Wochenbeginn die Zuversicht, dass neue Verhandlungen den Konflikt entschärfen könnten. Für Montag wurden Treffen zwischen Sicherheitsvertretern aus Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei mit der Führung in Teheran angesetzt. Ziel dieser Initiative ist es, Impulse für Gespräche zu setzen und eine militärische Ausweitung zu verhindern.
Marktbeobachter werten die geplanten Kontakte als erstes Zeichen für einen möglichen Dialog. Allerdings bleibt die Lage extrem instabil. Kämpfe zwischen den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen und Saudi-Arabien hatten am Wochenende erneut verdeutlicht, wie verwundbar die Förder- und Transportwege am Persischen Golf sind.
Seit Jahresbeginn hat sich Brent-Rohöl infolge der Kriegsgefahr drastisch verteuert. Die Schätzungen für das diesjährige Plus reichen von 85 bis fast 90 Prozent.
Drohende Eskalation rund um den 3. November
Erst am vergangenen Freitag war der Brent-Preis zeitweise bis auf 117,45 Dollar gestiegen. Auslöser für den Preissprung waren Berichte über eine Verlegung einer dritten Flugzeugträger-Kampfgruppe der Vereinigten Staaten in die Region sowie die angeordnete Evakuierung von US-Diplomaten.
Hinzu kamen Äußerungen von Donald Trump. Der amerikanische Präsident deutete an, dass die US-Streitkräfte nach den Kongress-Zwischenwahlen am 3. November ihre Angriffe auf den Iran wieder aufnehmen könnten. Teheran drohte seinerseits mit Schlägen gegen amerikanische Stützpunkte und zivile Infrastruktur im Persischen Golf.
Ob die Entspannung an den Ölmärkten von Dauer ist, hängt maßgeblich von den Ergebnissen der Gespräche zwischen den Regionalmächten ab. Sollte die diplomatische Initiative scheitern, droht mit Blick auf den 3. November eine erneute Zuspitzung der Versorgungslage.


