Die Furcht vor einer weiteren Eskalation am Persischen Golf weicht an den Rohstoffmärkten einer spürbaren Entspannungshoffnung. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent fiel am Mittwoch um 8,91 Prozent auf 94,42 Dollar je Barrel. Damit sank die Notierung erstmals seit dem 7. Oktober wieder unter die runde Marke von 100 Dollar. Händler reagieren damit unmittelbar auf den Ausgang der US-Zwischenwahlen, bei denen die regierenden Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kongresskammern verloren haben.
Machtwechsel im Kongress dämpft Kriegssorgen
Der Wahlsieg der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus verändert die geopolitische Lage im Nahen Osten schlagartig. Marktteilnehmer rechnen nun mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit für erneute US-Militärschläge gegen den Iran. Weil das Parlament über die Freigabe von Kriegsmitteln entscheidet und Regierungsbeschlüsse blockieren kann, schrumpft der militärische Handlungsspielraum von Präsident Donald Trump beträchtlich.
Der politische Druck auf das Weiße Haus wächst, rasch eine diplomatische Einigung in der Hormus-Krise herbeizuführen. Die teilweise Blockade der strategisch wichtigen Meerenge hatte den Ölpreis in den vergangenen Wochen massiv in die Höhe getrieben. Am vergangenen Freitag notierte Brent-Rohöl noch bei 118 Dollar. Seither summiert sich das Minus am Markt auf rund 16 Prozent.
Diplomatie rückt in den Mittelpunkt
In Washington werden die politischen Weichen derweil neu gestellt. Chuck Schumer kündigte für die Demokraten an, den Krieg gegen den Iran beenden zu wollen, und verwies dabei auf parteiübergreifenden Rückhalt. Auch Vizepräsident JD Vance machte den militärischen Konflikt öffentlich für die Wahlniederlage verantwortlich. Parallel dazu kursieren am Markt Hinweise auf mögliche Fortschritte bei Verhandlungen über eine Interimsvereinbarung zwischen Washington und Teheran.
Berichte über Zwischenfälle in der Region verfehlten ihre Wirkung auf die Notierungen. Selbst Meldungen über vier durch Seeminen beschädigte Tanker in der Straße von Hormus und ein Rückgang der US-Rohöllagerbestände um 5,3 Millionen Barrel konnten den Verkaufsdruck nicht bremsen.
Ob der Rücksetzer von Dauer ist, hängt nun am diplomatischen Fortschritt der nächsten Tage. Marktbeobachter von Standard Chartered betonen, dass der Verlust der republikanischen Mehrheiten noch keine Garantie für eine dauerhafte Beruhigung der Lage darstellt. Zeigen die Gespräche über die Schifffahrtswege in der Straße von Hormus jedoch konkrete Ergebnisse, dürfte der Risikozuschlag im Ölpreis weiter schmelzen.
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