Diplomatische Signale aus New York und Entspannungssignale aus Riad drücken die Ölpreise wieder spürbar ins Minus. Am Mittwoch gab der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November im frühen Handel um knapp ein Prozent auf 98,30 Dollar nach. Sollte das Niveau bis zum Handelsschluss halten, verzeichnet der Rohölmarkt den sechsten Verlusttag in Serie.
Ausschlaggebend für die Kehrtwende sind überraschende Gespräche zwischen den USA und dem Iran am Rande der UN-Generalversammlung. Vertreter beider Staaten kamen unter Vermittlung Katars zu einem rund dreistündigen Treffen zusammen. Es war der erste direkte Austausch seit Monaten. Berichten zufolge stellte Teheran in Aussicht, die blockierte Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder für den Schiffsverkehr freizugeben, sollten die Vereinigten Staaten ihre wirtschaftlichen Blockaden aufheben.
Entlastung durch saudi-arabische Pipeline
Parallel dazu sorgt Saudi-Arabien für Zuversicht bei den Marktteilnehmern. Das Königreich plant, seine Ost-West-Pipeline in den kommenden Tagen wieder in Betrieb zu nehmen. Die Leitung, die bei Angriffen Anfang September beschädigt worden war, verfügt über eine Kapazität von täglich sieben Millionen Barrel Rohöl. Durch ihre Reaktivierung kann Riad die Seeroute durch die Straße von Hormus umgehen und Lieferungen an die Märkte sichern. Ursprünglich hatten Beobachter mit mehrwöchigen Ausfällen gerechnet.
Gleichzeitig verzeichneten die Lagerbestände in den USA laut Branchendaten einen Zuwachs, was den Preisdruck vorerst abfedert. Die offiziellen Regierungsdaten zu den US-Vorräten folgen im Tagesverlauf. Ob sich die Entspannung an den Rohstoffmärkten verfestigt, hängt nun maßgeblich von der Rede des iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian vor der UN-Vollversammlung am Mittwoch ab.


