Hoffnung auf Diplomatie bremst den jüngsten Preisschub am Rohölmarkt. Nach einem abrupten Anstieg am Montagabend auf über 117 Dollar je Barrel gibt die Notierung der Nordseesorte Brent am Dienstag wieder leicht nach. Am Markt überwiegt die Zuversicht auf Fortschritte im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, was die Risikoprämie für Lieferungen aus dem Persischen Golf vorerst dämpft.
Im frühen Handel kostete ein Barrel Brent 114,93 Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 0,76 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit entfernt sich die Notierung weiter von ihrem jüngsten Sechsmonatshoch. Für die vorangegangene Bewegung über die Marke von 117 Dollar am Montagabend war am Markt kein konkreter Auslöser bekannt.
Vermittlungsversuche in Teheran und Moskau
Politische Signale sorgen nun für eine Atempause. Am Montag reisten hochrangige Vertreter Saudi-Arabiens, Pakistans und der Türkei zu Gesprächen nach Teheran. Die beteiligten Seiten einigten sich auf die Fortsetzung der Verhandlungen.
Parallel dazu trifft der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag in Moskau mit seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian zusammen. An den Gesprächen am Rande eines Energiegipfels nimmt auch der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, teil. Russland gilt in dem seit Monaten andauernden Konflikt als wichtiger Verbündeter Teherans.
Die Nervosität der Marktteilnehmer bleibt trotz der Gespräche spürbar. Brent-Öl hat sich seit Jahresbeginn um fast 90 Prozent verteuert. Die militärische Konfrontation beeinträchtigt die Energielieferungen und zog zudem die Huthi-Miliz im Jemen hinein, die wiederholt Ziele in Saudi-Arabien attackierte.
Zwar haben sich die Rohöllieferungen aus der Region inzwischen wieder etwa auf das Vorkriegsniveau erholt. Die Transportkosten verharren jedoch auf hohem Niveau und halten den Preisdruck im Markt aufrecht. Ob die Entspannung anhält, hängt direkt an konkreten Ergebnissen der anstehenden Verhandlungsrunden zwischen den Konfliktparteien.


