Ein diplomatischer Vorstoß aus Teheran bremst den jüngsten Preisschub am Ölmarkt vorerst aus. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich am Freitag um rund anderthalb Prozent auf 104,95 Dollar. Zuvor hatten Sorgen über den Krieg mit dem Iran die Notierungen binnen weniger Tage um rund zehn Prozent in die Höhe getrieben.
Teheran stellt Öffnung der Straße von Hormus in Aussicht
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat den USA über Vermittler einen Vorschlag zur Wiederaufnahme von Verhandlungen unterbreitet. Der Plan sieht vor, die blockierte Straße von Hormus unter bestimmten Bedingungen nach sieben Tagen wieder freizugeben. Die US-Regierung teilte daraufhin mit, man führe über Vermittler positive und konstruktive Gespräche.
Die Ankündigung dämpfte die Preisdynamik der Vortage. Auf Wochensicht bleibt die Bilanz mit einem Zuwachs von mehr als einem Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn hat sich Brent-Rohöl um über 70 Prozent verteuert.
Nervosität bleibt im Markt hoch
Marktbeobachter mahnen dennoch zur Vorsicht. Barbara Lambrecht von der Commerzbank betont, dass die Nervosität gemessen an den Preisschwankungen der vergangenen 60 Tage zuletzt wieder anzog und deutlich höher liegt als zu Jahresbeginn.
Anlagestratege Haris Khurshid von Karobaar Capital erwartet, dass sich der Brent-Preis vorerst in einer Spanne von 100 bis 110 Dollar hält. Eine glaubwürdige Vereinbarung könnte die Notierungen rasch wieder unter die dreistellige Marke drücken. Neue Ausfälle bei Exporten oder in der Transportlogistik könnten den Preis dagegen wieder in Richtung 120 Dollar treiben.
Frankreich reagiert bereits auf die anhaltenden Risiken für die Seewege. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, Soldaten, Radaranlagen und Verteidigungssysteme in die saudi-arabische Hafenstadt Yanbu zu verlegen. Die Einheiten sollen das dortige Ölterminal am Roten Meer sichern und so die Versorgung der internationalen Märkte stützen.


