Ein diplomatisches Signal aus Teheran bremst die jüngste Teuerung am Rohölmarkt aus. Nach einem Preissprung um zehn Prozent binnen zweier Tage verbilligte sich die Nordseesorte Brent am Freitagmorgen um gut 0,8 Prozent auf 105,72 Dollar je Barrel. Grund für die Atempause ist ein iranischer Verhandlungsvorschlag, der eine Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus in Aussicht stellt.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi skizzierte den Plan am Rande der UN-Woche in New York. Demnach könnte die Seestraße innerhalb von sieben Tagen wieder für den Schiffsverkehr freigegeben werden, sofern festgelegte Bedingungen erfüllt sind. Aus dem US-Präsidialamt verlautete dazu, man führe über Vermittler positive und konstruktive Gespräche.
Die Lage in der Region bleibt ungeachtet der Signale angespannt. Um den Transport von Rohöl aus Saudi-Arabien zu sichern, verlegt Frankreich Truppen, Radarsysteme und Abwehrtechnik in die Hafenstadt Yanbu am Roten Meer. Seit Jahresbeginn summiert sich der Preisanstieg bei Brent auf mehr als 70 Prozent, was den weltweiten Inflationsdruck verstärkt.
Schmale Spanne zwischen Entspannung und neuem Preisschub
Für den weiteren Preisverlauf rechnen Marktbeobachter vorerst mit einer Konsolidierung. Karobaar Capital erwartet, dass sich der Rohölpreis zunächst in einem Korridor zwischen 100 und 110 Dollar einpendelt. Eine glaubwürdige Vereinbarung könnte die Notierungen recht schnell wieder in den zweistelligen Bereich drücken. Treten dagegen neue Störungen bei den Exporten oder im Transport auf, halten Marktbeobachter einen Wiederanstieg auf 120 Dollar für wahrscheinlich.


