Ölschock, Inflation und ein Krypto-Aufbäumen: Wer in diesem Chaos die Nerven behält

Deutsche Inflation springt auf 2,7 Prozent, während der Ölpreis nahe am Kriegshoch notiert. Energiewerte und Rohstoffaktien wie Alcoa profitieren, während die EZB unter Handlungsdruck gerät.

Ölschock, Inflation und ein Krypto-Aufbäumen: Wer in diesem Chaos die Nerven behält
Kurz & knapp:
  • Deutsche Inflationsrate steigt überraschend stark an
  • Ölpreis nähert sich kritischer Marke von 120 Dollar
  • Aluminiumhersteller Alcoa profitiert von Angriffen im Nahen Osten
  • Bitcoin erholt sich leicht trotz anhaltender Marktängste

drei Szenarien hätten heute theoretisch die Oberhand gewinnen können: Panik wegen steigender Inflation, Euphorie wegen Trumps Verhandlungssignalen mit dem Iran – oder schlicht Lähmung vor den langen Osterfeiertagen. Am Ende war es von allem etwas. Der DAX schloss heute 1,18 Prozent höher bei 22.563 Punkten, und doch fühlt sich der Anstieg weniger wie Erholung an als wie ein kurzes Durchatmen in einem Sturm, der nicht nachlässt. Was heute wirklich zählt: Die deutschen Inflationsdaten schlagen Alarm, der Ölpreis bleibt explosiv – und ausgerechnet Bitcoin kämpft sich gegen den Trend nach oben.

Der Ölpreis als Taktgeber – und seine zweite Front

Brent-Rohöl stieg heute zeitweise auf 116 Dollar pro Barrel. Das ist nur noch ein Wimpernschlag vom bisherigen Kriegshoch bei knapp 120 Dollar entfernt. Die Straße von Hormus bleibt faktisch gesperrt – durch sie fließt rund ein Fünftel des globalen Ölangebots. Nun rückt eine zweite Meerenge ins Blickfeld: Bab al-Mandab, die schmale Passage zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Sollte auch dieser Seeweg gestört werden, müssten Tanker den Umweg ums Kap der Guten Hoffnung nehmen – das würde die Transitzeiten verdoppeln und die Kosten weiter in die Höhe treiben.

Die Strategen der Société Générale rechnen für April mit einem Brent-Durchschnittspreis von rund 125 Dollar – mit glaubwürdigen Bewegungen in Richtung 150 Dollar. Das ist kein Ausreißer-Szenario mehr, sondern eine Basisannahme. Für deutsche Anleger bedeutet das: Der Krieg im Nahen Osten ist kein externes Rauschen, sondern der Taktgeber für Inflation, Zinsen und Unternehmensgewinne.

Inflation springt auf 2,7 Prozent – die EZB gerät in die Klemme

Der Sprung von 1,9 auf 2,7 Prozent Inflation im März war erwartet – aber nicht in dieser Schärfe. Energie verteuerte sich um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der erste Anstieg seit Dezember 2023. Benzin und Diesel kosten mehr als zwei Euro pro Liter. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bringt es auf den Punkt: „Der Anstieg der Inflation im März ist erst der Anfang.“ Die höheren Energiekosten werden sich in den kommenden Monaten durch die Wertschöpfungsketten fressen – Nahrungsmittel, Transport, Dienstleistungen.

Die EZB steckt damit in einem klassischen Dilemma. Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bremsen? Das würde die ohnehin schwächelnde Konjunktur weiter belasten. Stillhalten? Dann riskiert die Notenbank, dass sich die Inflationserwartungen dauerhaft nach oben verschieben. Commerzbank-Analyst Ralph Solveen erwartet bei der EZB-Sitzung Ende April eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Geldmarktdaten zeigen bereits drei Zinsschritte bis Ende 2026 eingepreist – eine scharfe Kehrtwende gegenüber früheren Erwartungen auf stabile oder sinkende Zinsen.

Für Anleger in Anleihen und Immobilien ist das eine wichtige Weichenstellung. Wer auf Zinssenkungen spekuliert hatte, muss sein Szenario überdenken.

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Ölaktien auf Rekordkurs – Alcoa als Überraschungssieger

Wer heute von der Lage profitiert hat, sind die Energieriesen. Exxon und Chevron markierten neue Allzeithochs. Shell legte 1,6 Prozent zu, BP rund 2 Prozent. Die Logik dahinter ist simpel: Hohe Rohstoffpreise bedeuten fette Margen für Produzenten, die nicht direkt von der Hormus-Blockade abhängig sind – und US-Konzerne wie Exxon und Chevron gelten genau deshalb als stabilere Häfen im Sektor.

Der eigentliche Überraschungssieger des Tages war jedoch Alcoa: Die Aktie des US-Aluminiumherstellers schoss rund 11 Prozent nach oben. Iranische Angriffe haben die beiden größten Aluminiumschmelzen der Golfregion – Emirates Global Aluminium und Aluminium Bahrain – schwer beschädigt. Die Region ist für etwa neun Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion verantwortlich. An der London Metal Exchange näherte sich der Aluminiumpreis seinem Vierjahreshoch. Rio Tinto legte in London knapp 3,5 Prozent zu, Century Aluminum in New York fast 8 Prozent. Ein Rohstoff, der selten Schlagzeilen macht, steht plötzlich im Zentrum des Kriegsgeschehens.

Kühne + Nagel und die Logik der Umwege

Ein Profiteur, der im deutschen Markt weniger Aufmerksamkeit bekommt, ist Kühne + Nagel. Die Aktie des Logistikkonzerns stieg heute rund 3 Prozent. Der Grund: Störungen auf den Seetransportwegen durch Bab al-Mandab zwingen Reedereien zu teuren Umwegen – und das treibt die Frachtraten. Kühne + Nagel profitiert als einer der größten Logistikdienstleister weltweit direkt von diesem Preisanstieg.

Das ist ein Muster, das sich aus dem Ukraine-Krieg bekannt anfühlt: Wenn Lieferketten unter Druck geraten, gewinnen diejenigen, die Alternativen organisieren können. Für Anleger, die nach Inflationsschutz im Portfolio suchen, ist das ein Denkanstoß – auch wenn die Bewertung nach dem heutigen Sprung kritisch geprüft werden sollte.

TAP-Bieterrennen: Lufthansa vor wichtiger Entscheidung

Bis zum 2. April – also übermorgen – müssen Lufthansa, Air France-KLM und IAG unverbindliche Gebote für einen 49,9-Prozent-Anteil an der portugiesischen Staatsfluglinie TAP abgeben. Portugals Finanzminister zeigte sich heute optimistisch, dass der Iran-Krieg das Interesse der Käufer nicht wesentlich dämpfen werde. TAP gilt als die wohl letzte mittelgroße europäische Airline, die noch zu haben ist.

Für die Lufthansa-Aktie war es kein guter Tag – sie gab leicht nach. Das passt ins Bild: Airlines leiden unter hohen Kerosinpreisen, und ein Übernahmedeal in dieser Marktlage bindet Kapital. Ob IAG am Ende wirklich mitbietet, ist fraglich – Berichte deuten darauf hin, dass ein Minderheitsanteil nicht zur Strategie des British-Airways-Konzerns passt.

Bitcoin kämpft sich zurück – aber der Fear-Index bleibt rot

Inmitten all dieser Unsicherheit hat Bitcoin heute rund 1,5 bis 2 Prozent zugelegt und notiert bei knapp 67.600 Dollar. Ethereum legte sogar 3,6 Prozent zu und handelt bei rund 2.065 Dollar. Der Gesamtmarkt für Kryptowährungen wuchs um 1,6 Prozent auf eine Marktkapitalisierung von 2,33 Billionen Dollar. Berichte über neue potenzielle Anbieter für Bitcoin-Spot-ETFs in den USA haben die Stimmung etwas aufgehellt.

Trotzdem: Der Fear-and-Greed-Index von CoinMarketCap liegt bei 27 – tief im roten Bereich, der als „Angst“ gilt. Bitcoin befindet sich noch rund 46 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.198 Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde. Ethereum liegt sogar 58 Prozent unter seinem Höchstkurs. Die Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten am Freitag Nettoabflüsse von 225 Millionen Dollar – angeführt vom iShares Bitcoin Trust mit 202 Millionen Dollar Abfluss. Das heutige Aufbäumen ist also eher ein Atemzug als ein Trendwechsel.

Wer Krypto im Portfolio hat, sollte sich bewusst machen: In einem Umfeld steigender Anleiherenditen und Inflationssorgen fehlt dem Markt der klassische Rückenwind. Die Erholung heute ist real – aber fragil.

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Microsoft zeigt, wohin die KI-Reise geht

Abseits der geopolitischen Turbulenzen hat Microsoft heute eine bemerkenswerte KI-Ankündigung gemacht. Der neue „Critique“-Modus im Copilot-Assistenten lässt GPT und Anthropics Claude gleichzeitig arbeiten: GPT generiert eine Antwort, Claude prüft sie auf Richtigkeit – und künftig soll das auch umgekehrt funktionieren. Dazu kommt „Model Council“, ein Feature, das verschiedene KI-Modelle nebeneinander vergleichbar macht.

Das klingt technisch, hat aber eine klare Botschaft: Microsoft setzt nicht mehr auf ein einzelnes Modell, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer Systeme. Das ist ein direkter Angriff auf Google Gemini und andere Konkurrenten. Für Anleger, die Tech-Aktien im Blick haben, ist das ein Signal: Die nächste Stufe im KI-Rennen ist nicht mehr „wer hat das beste Modell“, sondern „wer orchestriert mehrere Modelle am klügsten“.

Was jetzt zählt – und was die nächsten Tage bringen

Heute war ein Tag des vorsichtigen Aufatmens. Die Märkte haben Trumps Verhandlungssignale mit dem Iran als Anlass für eine Gegenbewegung genutzt – ohne dass sich an der Grundlage wirklich etwas geändert hätte. Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, Brent notiert bei über 110 Dollar, und die Inflation in Deutschland hat einen Sprung gemacht, der die EZB in Zugzwang bringt.

Drei Dinge sollten Sie im Blick behalten: Erstens das Trump-Ultimatum an den Iran, das bis Ostermontag läuft – eine Deeskalation würde die Märkte schlagartig entlasten, eine Eskalation das Gegenteil bewirken. Zweitens die EZB-Sitzung Ende April, bei der die Zinsfrage neu gestellt wird. Drittens das TAP-Bieterverfahren, das bis 2. April erste Konturen zeigen wird.

Die Osterfeiertage geben Ihnen Zeit zum Nachdenken. Nutzen Sie sie – nicht für hektische Entscheidungen, sondern für einen klaren Blick auf das, was Ihr Portfolio wirklich trägt, wenn der Sturm anhält.

Ich wünsche Ihnen ruhige Feiertage,

Andreas Sommer

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