OHB steckt in einem seltenen Spagat. Das operative Geschäft wächst kräftig, aber der Kapitalmarkt zweifelt nach dem gestoppten Platzierungsvorhaben am nächsten Wachstumsschritt. In den kommenden Wochen liefern Hauptversammlung und RFA-Testflug wichtige Hinweise.
Platzierungsstopp trifft engen Markt
Der Druck kam abrupt. Am 27. Mai 2026 verlor die Aktie zeitweise fast 16 Prozent. Auslöser war der Stopp einer geplanten Großplatzierung.
Das Vorhaben hätte die Aktionärsstruktur deutlich verändert. In Finanzkreisen kursiert ein Volumen von mehr als 1 Milliarde Euro für 20 Prozent der Aktien. KKR könnte dabei seinen Anteil von 29 Prozent über den Verkauf bestehender Papiere senken.
Auch die Familie Fuchs wäre betroffen. Ihr Anteil von 65 Prozent würde durch neue Aktien verwässert. Der sehr geringe Streubesitz könnte im Gegenzug steigen.
Das Bankenkonsortium wurde bereits breiter aufgestellt. Berenberg und Commerzbank arbeiten nun mit Jefferies und UniCredit zusammen. Mandatiert waren schon Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan.
Hauptversammlung wird zum Prüfstein
Der nächste Fixpunkt ist die virtuelle Hauptversammlung am 8. Juni 2026. Dort dürfte der Vorstand erklären, wie OHB den Kapitalbedarf nach dem Platzierungsstopp decken will. Kein Wunder, dass der Termin nun mehr Gewicht bekommt.
Auf der Tagesordnung steht auch ein neues Aktienoptionsprogramm. OHB will bis zu 576.447 Bezugsrechte auf ebenso viele Aktien ausgeben. Die Ermächtigung soll bis Juni 2031 laufen.
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Der Rahmen bleibt begrenzt. Der anteilige Betrag am Grundkapital darf 3,0 Prozent nicht überschreiten. Empfänger wären ausgewählte Vorstandsmitglieder, Arbeitnehmer und Führungskräfte verbundener Unternehmen.
RFA ONE bringt operativen Test
Kurz nach der Hauptversammlung folgt der nächste konkrete Meilenstein. Rocket Factory Augsburg hat für den 1. Juli ein Startfenster beantragt. Es geht um den ersten Testflug der Trägerrakete RFA ONE.
Die Raketentochter hat die erste und zweite Stufe bereits nach SaxaVord in Schottland geliefert. Damit rückt der Einstieg in den kommerziellen Startmarkt näher. OHB warnt aber selbst vor der technischen Hürde.
Historisch gelingt der Erstflug neuer Trägersysteme in weniger als 30 Prozent der Fälle. Das macht den Termin wichtig, aber auch riskant. Ab 2028 soll die Serienproduktion anlaufen.
Mittelfristig stellt RFA bis zu 25 Starts pro Jahr in Aussicht. Für OHB wäre das ein neuer Wachstumspfad neben dem klassischen Satelliten- und Raumfahrtgeschäft. Der Testflug entscheidet nicht alles, setzt aber den Ton.
Zahlen liefern Rückhalt
Operativ sieht die Lage deutlich stabiler aus als der Kursverlauf. Die Gesamtleistung stieg um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das zeigt, dass die Nachfrage weiter trägt.
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Auch die Profitabilität verbesserte sich. Das bereinigte EBITDA kletterte um 37 Prozent auf 27,3 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente OHB 9,9 Millionen Euro.
Im Vorjahr lag der Gewinn noch bei 3,7 Millionen Euro. Der Sprung fällt damit klar aus. Er erklärt, warum der Kapitalmarkt nicht am Kerngeschäft zweifelt.
Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März 2026 mit 3,35 Milliarden Euro ein neues Allzeithoch. Das entspricht einem Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders Space Systems stützt die Pipeline.
Dieses Segment kommt allein auf 2,68 Milliarden Euro Auftragsbestand. ESA-Programme und höhere europäische Verteidigungsbudgets liefern Rückenwind. Die mittelfristigen Ziele bleiben deshalb ambitioniert.
Für 2026 plant OHB eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro. Ein Jahr später sollen es 1,7 Milliarden Euro werden. Für 2028 peilt der Konzern mehr als 2,0 Milliarden Euro an.
Die angestrebte EBITDA-Marge liegt bei 11 Prozent. Damit setzt der Vorstand auf mehr Volumen und bessere Skaleneffekte. Der Kapitalbedarf passt genau in diese Wachstumslogik.
Die starken Ausschläge haben auch eine strukturelle Ursache. Nur 5,68 Prozent der 19,15 Millionen Aktien liegen im Streubesitz. Schon kleinere Orders können den Kurs daher spürbar bewegen.
Ein Delisting steht laut Vorstand derzeit nicht an. Die nächsten konkreten Termine sind der 8. Juni, das RFA-ONE-Startfenster ab dem 1. Juli und die Zahlen zum zweiten Quartal am 6. August. Diese drei Punkte zeigen, ob OHB die Kapitalmarktunsicherheit mit operativen Fortschritten überlagern kann.
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