OHB SE verlor am Freitag 5,25 Prozent auf 442,50 Euro — Schlusspunkt einer Woche, die weniger von Unternehmensnachrichten als von Marktmechanik geprägt war. Zwischen Montag (596,00 Euro) und Mittwoch (448,00 Euro) brach die Aktie um 21 Prozent ein, erholte sich kurz, um dann erneut nachzugeben. Die Handelsspanne am Freitag allein: 57 Euro zwischen Tagestief und Tageshoch.

Der Auslöser liegt nicht in den Fundamentaldaten. Er liegt in der Struktur des Streubesitzes.

5,7 Prozent Freefloat — und die Folgen

Zum Jahresende 2025 entfielen 65,4 Prozent der Aktien auf die Familie Fuchs, 28,6 Prozent auf Orchid Lux HoldCo. Der frei handelbare Anteil: 5,7 Prozent, entsprechend 1,09 Millionen Stück bei insgesamt 19,2 Millionen Aktien.

In diesem engen Korridor können überschaubare Ordervolumina überproportionale Bewegungen auslösen. Die Xetra-Umsätze der Woche verdeutlichen das Muster: 6.774 Stück am Montag, 30.290 Stück am Mittwoch, 18.569 Stück am Donnerstag, 14.873 Stück am Freitag. An einem Tag wie Donnerstag schwankte der Kurs auf gettex zwischen 440,50 und 514,00 Euro — ohne neue operative Meldung.

Bereits am Donnerstag hatte finanzen.ch die Kursrally über die 500-Euro-Marke explizit mit dem „extrem engen Freefloat“ verknüpft. Die Volatilität ist strukturell angelegt.

Operative Stärke trifft auf Handelsschwäche

Das Spannungsfeld wird schärfer, wenn man die Zahlen aus dem ersten Quartal dagegenhält. Am 7. Mai meldete OHB einen Auftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro — 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gesamtleistung stieg auf 279,3 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA auf 27,3 Millionen Euro, das bereinigte EBIT auf 16,8 Millionen Euro.

Wachstum im Raumfahrt- und Satellitengeschäft, Volatilität im Orderbuch. Neue Käufer müssen genügend Stücke finden, ohne den Kurs stark zu bewegen. Gewinnmitnahmen wirken in einem dünnen Orderbuch verstärkt.

Für Anleger bedeutet das: Operative Entwicklung und Kursentwicklung können auseinanderlaufen — nicht wegen schwacher Fundamentaldaten, sondern wegen fehlender Liquidität.

Hauptversammlung und Quartalsberichte im Blick

Am 8. Juni folgt die ordentliche Hauptversammlung. Anmeldung und Anteilsbesitznachweis müssen bis 1. Juni, 24:00 Uhr, vorliegen. Stellungnahmen sind bis 2. Juni einzureichen.

Im weiteren Jahresverlauf stehen die Q2-Ergebnisse am 6. August und die Q3-Zahlen am 12. November an. Solange der frei handelbare Anteil niedrig bleibt, werden Nachrichten aus Raumfahrt, Satellitenbau und europäischer Verteidigungstechnik im Kurs stärker durchschlagen als bei liquideren Industriewerten. Der Freefloat ist kein Bug — er ist das Feature.