Während OHB SE binnen weniger Tage gleich zwei technologische Erfolgsmeldungen aus dem Raumfahrtgeschäft vermelden konnte, kommt die Aktie am Kapitalmarkt nicht von der Stelle. Am Montag schloss das Papier bei 190,00 Euro, ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vortag – nach Wochen mit deutlichen Kursverlusten ein kleines Lebenszeichen.
Zwei Erfolge binnen 24 Stunden
Am 27. August, vor gut einer Woche, unterzeichnete die OHB-Beteiligung Rocket Factory Augsburg einen Vertrag mit der europäischen Weltraumorganisation ESA im Rahmen der European Launcher Challenge. Das Programm soll Europas Zugang zu unabhängigen Trägerraketenkapazitäten sichern und positioniert RFA als einen der Kandidaten für künftige Startdienstleistungen.
Nur einen Tag später, am 28. August, meldete OHB einen weiteren Meilenstein: Der Wettersatellit MTG-I2 startete erfolgreich ins All und komplettiert damit die neue europäische Meteosat-Third-Generation-Konstellation. OHB fungierte bei dem Programm als Systemanbieter. Beide Nachrichten unterstreichen die technologische Rolle des Bremer Raumfahrtkonzerns in europäischen Schlüsselprogrammen – von der Trägerraketenentwicklung bis zur Erdbeobachtung.
Kurs bleibt trotz guter Nachrichten unter Druck
Trotz dieser Erfolgsmeldungen fiel der Aktienkurs Anfang September zwischenzeitlich auf ein Sechs-Monats-Tief von 179,60 Euro. Anleger scheinen die operativen Fortschritte derzeit nicht mit einer Kursbewegung zu honorieren – ein Muster, das sich bereits bei früheren Meldungen wie dem milliardenschweren SES-Auftrag für die IRIS²-Satellitenplattformen gezeigt hatte.
Die zuletzt abgeschlossene Kapitalerhöhung, bei der OHB Bruttoerlöse von 484 Millionen Euro einsammelte, hatte den Kurs zusätzlich belastet und dürfte die Skepsis vieler Investoren mitprägen.
Der Relative-Stärke-Index von 37,4 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, was auf ein gewisses Erholungspotenzial hindeuten könnte, ohne dass daraus eine unmittelbare Trendwende folgen muss.
Auftragsbestand als Kontrapunkt
Fundamental bleibt die Auftragslage robust: Der Auftragsbestand notiert auf Rekordniveau, gestützt durch Programme wie IRIS², die PRISMA-Second-Generation-Mission für die italienische Raumfahrtagentur ASI und nun auch den ESA-Vertrag für RFA.
Für das laufende Jahr hatte OHB Anfang August eine Gesamtleistung von 628 Millionen Euro im ersten Halbjahr sowie ein bereinigtes EBITDA von 60 Millionen Euro gemeldet – ein Plus von elf beziehungsweise 31 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Vorstand bestätigte die Jahresguidance von 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent.
Die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursentwicklung dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Sektorweit sorgte zudem der erfolgreiche Orbitalstart der Spectrum-Rakete von Isar Aerospace am 7. September für Aufmerksamkeit – ein Ereignis, das die grundsätzlich positive Dynamik der europäischen Raumfahrtbranche unterstreicht, auch wenn es keine unmittelbare OHB-spezifische Nachricht darstellt.
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