OHB SE hat am Montag einen kräftigen Kurssprung verzeichnet. Auslöser war ein Bericht des Handelsblatts vom Wochenende über das europäische Satellitennetzwerk Iris2, in dem OHB als Auftragnehmer für 18 Satelliten in mittlerer Erdumlaufbahn (MEO) genannt wird. Die Aktie legte um 6,0 Prozent zu und markiert damit einen deutlichen Ausschlag nach oben.
MEO-Satelliten als neuer Werttreiber
Laut Handelsblatt soll OHB die 18 MEO-Satelliten für Iris2 fertigen – Satelliten, die im Vergleich zu den kleineren LEO-Modellen größer und teurer sind. Parallel berichteten weitere Medien, dass das Unternehmen Aerospacelab im selben Projekt einen Auftrag mit einem Mindestwert von 1,8 Milliarden Euro erhält, wobei OHB SE ebenfalls an Bord ist.
Für Anleger ist das ein Signal: Das milliardenschwere europäische Satellitenprogramm gewinnt für OHB zunehmend Kontur, nachdem das Unternehmen bereits zuvor als Teil des Konsortiums genannt worden war.
Der Rücken folgt auf eine Reihe operativer Fortschritte, die das Unternehmen bereits in den vergangenen Wochen gemeldet hatte. Die Gesamtleistung im ersten Halbjahr 2026 stieg laut Unternehmensangaben auf 627,9 Millionen Euro, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA wuchs sogar um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte nach sechs Monaten auf 3.304 Millionen Euro, verglichen mit 3.067 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Wachsender Auftragsbestand trifft auf ambitionierte Bewertung
Die operative Dynamik spiegelt sich auch in der Guidance wider: OHB bestätigte für das Gesamtjahr 2026 eine Gesamtleistung von 1.400 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent.
Zusätzliche Aufträge stützen das Bild – darunter ein Vertrag von OHB Italia für die Mission PRISMA Second Generation der italienischen Raumfahrtagentur ASI, die bis Ende 2031 laufen soll, sowie ein Auftrag über 248 Millionen Euro für eine 20-Satelliten-Mikrokonstellation namens EPS-Sterna, den größten Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte.
Finanziert wird das Wachstum unter anderem durch eine im Juni durchgeführte Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro. Zugleich baute OHB sein Netzwerk in der Verteidigungs- und Raumfahrtbranche aus: Mit Rheinmetall entstand eine Partnerschaft für das Programm SATCOMBw 4, zudem gründete OHB das Joint Venture KIRK gemeinsam mit Helsing, Hensoldt und Kongsberg Defence & Aerospace.
Nach dem jüngsten Kursschub notiert die Aktie bei 272,50 Euro und damit rund 6,2 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 290,37 Euro – ein Hinweis darauf, dass der Titel trotz der starken Erholung noch nicht wieder an sein kurzfristiges Trendniveau herangekommen ist.
Für Analysten, die Anfang August Coverage aufgenommen hatten und Kursziele zwischen 250 und 360 Euro nannten, dürfte der Iris2-Auftrag ein weiteres Argument liefern, die eigene Einschätzung zu überprüfen.
Angesichts der Kombination aus wachsendem Auftragsbestand, bestätigter Guidance und einem konkreten Großprojekt wie Iris2 bleibt die Frage, ob die aktuelle Bewertung diese Substanz bereits vorwegnimmt oder ob weiteres Potenzial besteht, das zentrale Thema für Investoren.
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