OHB SE meldet gleich mehrere operative Fortschritte in der Raumfahrtsparte. Die Tochter Rocket Factory Augsburg (RFA), an der OHB beteiligt ist, hat einen Vertrag der europäischen Weltraumorganisation ESA im Rahmen der zweiten Vergaberunde der „European Launcher Challenge“ erhalten. Das Programm läuft bis Mitte 2029 und stärkt die Position von RFA im europäischen Startmarkt für Trägerraketen.
Satellitenmission bereits im Orbit, weitere folgt im Oktober
Parallel dazu ist der MTG-Imager 2 erfolgreich von Kourou aus mit einer Ariane-6-Rakete gestartet. Der Satellit gehört zu einer neuen Generation meteorologischer Beobachtungssysteme.
Für Anfang Oktober ist zudem der Start von ATHENE-1 geplant, einem 400 Kilogramm schweren Satelliten, der mit einer Falcon-9-Rakete ins All gebracht werden soll. Damit reiht sich OHB in kurzer Folge in mehrere Missionen ein, die das operative Geschäft der Gruppe sichtbar machen.
Diese Nachrichtenlage steht in deutlichem Kontrast zur Kursentwicklung der vergangenen Wochen. Die Aktie ist zwar seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Plus, hat sich aber vom Rekordhoch aus dem Mai spürbar entfernt und notiert am Freitag bei 191,40 Euro, ein Plus von 1,4 Prozent auf Tagessicht.
Der jüngste Kursrutsch der vergangenen Wochen relativiert sich damit nicht, doch die operative Nachrichtenlage zeigt: Am Auftragsfluss und an der technischen Umsetzung der Programme hat sich nichts geändert.
Branchenumfeld bleibt für Raumfahrt- und Rüstungswerte in Bewegung
Das Marktumfeld für europäische Raumfahrtakteure ist derzeit in Bewegung. Airbus erwägt einem Bericht zufolge den Verkauf seines US-Raumfahrtgeschäfts, um sich stärker auf eine geplante paneuropäische Satellitenfusion mit Leonardo und Thales zu konzentrieren, die bis 2027 umgesetzt werden soll.
Die betroffene US-Sparte von Airbus, zu der eine Fabrik in Florida sowie das Geschäft mit Arrow-Kleinsatelliten gehört, erwirtschaftet einem Bericht zufolge einen Umsatz im Bereich mehrerer hundert Millionen US-Dollar und beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter.
Für OHB ist das insofern relevant, als sich die europäische Raumfahrtindustrie in den kommenden Jahren neu konsolidieren dürfte – ein Prozess, an dessen Rand sich auch die deutsche Gruppe mit ihren Beteiligungen und Aufträgen positioniert.
Für Anleger bleibt die Gemengelage damit zweigeteilt: Auf der operativen Seite liefert OHB mit dem ESA-Vertrag für RFA, dem erfolgreichen MTG-Imager-2-Start und der bevorstehenden ATHENE-1-Mission gleich mehrere konkrete Fortschritte.
Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen zeichnet dagegen ein deutlich vorsichtigeres Bild, in dem Bewertungsfragen nach der starken Rally der vergangenen zwölf Monate offenbar stärker wiegen als einzelne Auftragsmeldungen.
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