OHB will Europas führender Raumfahrt-Allrounder werden. CEO Marco Fuchs sprach gestern von einer „Goldgräberzeit“ — und meint damit nicht nur zivile Satelliten. Der Bremer Konzern rüstet massiv im militärischen Sektor auf.

Zwei Joint Ventures innerhalb von vier Wochen. Eine Mondgesellschaft. Rekordaufträge. Die OHB SE fährt ein Tempo, das selbst für die schnelllebige Raumfahrtbranche ungewöhnlich ist.

Zwei Militär-Allianzen in einem Monat

Am 16. April genehmigte das Bundeskartellamt ein Joint Venture mit Rheinmetall Digital. Ziel: militärische Satellitenkommunikation für die Bundeswehr. OHB liefert Satelliten und Bodenstationen, Rheinmetall die Endnutzerterminals und Netzwerkinfrastruktur.

Einen Monat später folgte die nächste Partnerschaft. Am 19. Mai gründete OHB gemeinsam mit dem KI-Spezialisten Helsing das Konsortium „KIRK“ — Künstliche Intelligenz und Raumfahrt-Kompetenz. Mit dabei: Kongsberg Defence & Aerospace und HENSOLDT.

Die Mission: ein weltraumbasiertes System für taktische Überwachung, Aufklärung und Zielerfassung. Die Latenzzeit zwischen Datenerfassung und Zielbekämpfung soll radikal sinken. Fuchs formulierte es deutlich: „Raumfahrtsysteme sind entscheidend, um die Bundeswehr zu einer der stärksten und modernsten Armeen Europas zu machen.“

Auftragsbestand auf Allzeithoch

Die Zahlen stützen den Expansionskurs. Im ersten Quartal 2026 kletterte die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent zu, das EBIT um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro.

Entscheidender für die langfristige Perspektive: Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März ein neues Allzeithoch von 3,35 Milliarden Euro. Davon entfallen 2,68 Milliarden Euro auf das Segment Space Systems.

Hauptversammlung mit Finanzierungsermächtigung

Am 8. Juni stimmen die Aktionäre virtuell ab. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie vor. Brisanter ist ein anderer Tagesordnungspunkt: die Ermächtigung zur Ausgabe von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen im Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro — gültig bis 2031.

Die Botschaft: OHB will sich finanzielle Flexibilität für Großprojekte sichern. Welche genau, bleibt offen.

Vom Mond zum Asteroiden

Parallel zum Verteidigungsausbau treibt OHB zivile Missionen voran. Im Februar gründete der Konzern die European Moonport Company, um eine europäische Mondinfrastruktur zu entwickeln.

Aktuell kam ein weiterer Auftrag hinzu: OHB Italia unterzeichnete den Vertrag für die Kommunikationsantenne der Ramses-Sonde. Die gemeinsame Mission von ESA und JAXA soll den Asteroiden Apophis begleiten. Der Bauauftrag für die Sonde liegt bei 81,2 Millionen Euro, der Start ist für 2028 geplant.

Volatilität trotz Rekordauftragslage

Die Aktie zeigte zuletzt erhöhte Schwankungen. Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit dem erwarteten Börsengang von SpaceX. Fuchs betonte OHBs Sonderstellung: Als einziges verbliebenes „Pure-Play-Space-Unternehmen“ unter den großen europäischen Systemhäusern reagiere die Aktie sensibel auf Branchenbewegungen.

Die strategische Weichenstellung ist gesetzt. Ob die Goldgräberzeit hält, was Fuchs verspricht, zeigen die nächsten Quartale.