Zehn Prozent Kursverlust an einem einzigen Tag — ohne eine einzige neue Unternehmensmeldung. Bei OHB SE reichen wenige Orders aus, um den Kurs in Bewegung zu bringen. Der Grund ist strukturell: Der Streubesitz ist so gering, dass minimale Handelsvolumina extreme Ausschläge erzeugen.
An der Börse Stuttgart schwankte die Aktie an diesem Tag zwischen 421,50 Euro und 478,50 Euro — eine Spanne von fast 57 Euro bei gerade einmal 1.019 gehandelten Stücken. Sieben Tage brachten ein Minus von gut 25 Prozent. Der Monatschart zeigt indes noch immer ein Plus von rund 79 Prozent.
Was bestätigt ist – und was nicht
Finanzinvestor KKR hält rund 29 Prozent an OHB. Ob, in welchem Umfang und bis wann er Anteile über eine Platzierung abgibt, ist offen und von keiner der beteiligten Parteien bestätigt. OHB hat öffentlich mitgeteilt, Finanzierungsoptionen zu prüfen, dabei nicht unter Zeitdruck zu stehen und noch keine Entscheidung getroffen zu haben. KKR hat sich zu einem etwaigen Verkauf nicht geäußert. Angaben zu einem Volumen, zu mandatierten Banken oder zu einer Frist am 30. Juni 2026 sind nicht belegt und werden hier nicht als Tatsache wiedergegeben. Die Gründerfamilie Fuchs behält mit 65 Prozent der Stimmrechte die Kontrolle.
Hauptversammlung mit Kapitalspielraum
Am 8. Juni 2026 tritt die Hauptversammlung virtuell zusammen. Auf der Agenda steht eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie — Gesamtausschüttung rund 11,5 Millionen Euro. Weitreichender ist ein zweiter Punkt: OHB will sich ermächtigen lassen, Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro zu begeben, flankiert von einem Bedingten Kapital 2026/I in Höhe von 20 Prozent des aktuellen Grundkapitals. Die Ermächtigung soll bis 2031 laufen.
Starkes Fundament, schwacher Kurs
Unmittelbar nach der Hauptversammlung folgt die ILA Berlin — vom 10. bis 14. Juni will OHB dort neue Missionsverträge präsentieren.
Der operative Rückenwind ist real. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT legte um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März mit 3,35 Milliarden Euro ein Allzeithoch — ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen vom Segment Space Systems mit 2,68 Milliarden Euro.
Mittelfristig plant das Management eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro für 2026, 1,7 Milliarden Euro für 2027 und mehr als 2,0 Milliarden Euro für 2028 bei einer angestrebten EBITDA-Marge von 11 Prozent.
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