Der österreichische Energiekonzern OMV hat die Schotten dichtgemacht. Vor den Quartalszahlen am 30. April gilt die offizielle Schweigephase für das Management. Hinter den Kulissen zeichnet sich bereits ein Q1-Bericht ab, der von geopolitischen Bremsspuren und einem geplatzten Zeitplan geprägt ist.

Geopolitik drückt auf die Förderung

Der Nahostkonflikt hat direkte Auswirkungen auf die operative Leistung der Österreicher. Im ersten Quartal sank die durchschnittliche Fördermenge auf 288.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Unterbrochene Rohölströme brockten dem Konzern obendrein einmalige Absicherungsverluste von rund 100 Millionen Euro ein.

Während die Erdgasförderung stabil blieb, verzeichnete OMV bei Rohöl einen spürbaren Rückgang. Diese Volumeneffekte dürften in der Bilanz allerdings durch das gestiegene Preisniveau für Energie weitgehend kompensiert werden.

Raffinerien laufen, Margen schmelzen

Im Raffinierungsgeschäft zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Die Anlagen liefen mit einer Auslastung von 92 Prozent auf Hochtouren. Parallel dazu brach die Marge je Barrel massiv von 10,76 auf 6,65 Euro ein.

Niedrigere Endkundenmargen und geplante Stillstände belasten das operative Ergebnis im Kraftstoff-Segment mit rund 150 Millionen Euro. Einen Lichtblick liefert indes die Chemie-Sparte. Hier erholte sich die Auslastung der europäischen Steamcracker deutlich auf über 90 Prozent.

IPO-Verschiebung kostet Ausschüttung

Das neue Joint Venture mit ADNOC nimmt derweil operative Gestalt an. Der globale Polyolefin-Konzern soll ab dem zweiten Quartal rund 140 Millionen Euro zum OMV-Ergebnis beisteuern. Für die Österreicher, die im vergangenen Jahr Umsätze von 24 Milliarden Euro verbuchten, ist das ein wichtiger Baustein. Das Management rechnet mittelfristig mit jährlichen Synergien im Wert einer halben Milliarde US-Dollar.

Ein Rückschlag trübt jedoch die Aussichten. Wegen der volatilen Märkte verschieben die Partner das geplante Listing der Borouge-Aktien auf 2027. Dadurch halbiert sich der Dividendenbeitrag der Tochtergesellschaft vorübergehend. OMV-Aktionäre kostet diese Verzögerung im laufenden Jahr bis zu 70 Cent je Anteilsschein.

Die anstehenden Termine bieten Anlegern nun klare Orientierung. Am 30. April legt der Vorstand die vollständigen Zahlen für das Auftaktquartal vor. Vier Wochen später, am 27. Mai, stimmt die Hauptversammlung über die vorgeschlagene Dividende von 4,40 Euro je Aktie ab.