Morgen präsentiert der österreichische Energiekonzern sein erstes Trading Update unter der neuen Konzernstruktur. Während der Markt auf die operativen Auswirkungen des Borouge-Megadeals blickt, brodelt es hinter den Kulissen. Ein ungelöster Streit zwischen den Großaktionären über die künftige Führungsebene droht die Neuausrichtung zu überlagern.

Fokus auf das Chemiegeschäft

Das Update für das erste Quartal 2026 liefert erste Indikatoren zu Produktionsmengen und Raffineriemargen. Anleger erhalten einen Einblick, wie sich das neu konsolidierte Chemie-Joint-Venture in der Praxis schlägt. Ab dem zweiten Quartal rechnet das Management mit einem Ergebnisbeitrag der Borouge Group International von rund 140 Millionen Euro pro Quartal. Das soll die strukturelle Abhängigkeit vom volatilen Ölpreis verringern.

Analysten bewerten den verstärkten Fokus auf die Chemiebranche allerdings skeptisch. RBC Capital Markets stufte das Papier auf „Underperform“ ab und senkte das Kursziel deutlich auf 46 Euro. Die Experten verweisen auf branchenweite Überkapazitäten und einen globalen Abschwungzyklus im Chemiesektor. Diese Warnungen stehen im Kontrast zur bisherigen Jahresperformance. Seit Anfang Januar kletterte der Wert um 24,53 Prozent nach oben, bevor der Kurs heute um 4,67 Prozent auf 60,25 Euro nachgab.

Aktionärsstreit blockiert CEO-Suche

Parallel zum operativen Umbau sorgt die ungeklärte Führungsfrage für Unruhe. CEO Alfred Stern verlässt das Unternehmen nach Ablauf seines Mandats Ende August 2026. Bei der Suche nach einem Nachfolger sind sich die Hauptanteilseigner, die österreichische Staatsholding ÖBAG und ADNOC aus Abu Dhabi, uneinig.

Während ÖBAG-Chefin Edith Hlawati dem Vernehmen nach Borealis-Chef Stefan Doboczky favorisierte, drängen die arabischen Partner auf einen internationalen Kandidaten. Aus dem Aufsichtsrat dringen Berichte über erhebliche Spannungen. Da externe Top-Manager oft lange Kündigungsfristen aufweisen, gerät der Konzern bei der Besetzung zunehmend unter Zeitdruck.

Trotz der soliden finanziellen Basis aus dem Vorjahr müssen sich Anleger auf finanzielle Einschnitte einstellen. Da der Dividendenbeitrag der Borouge-Beteiligung vorübergehend halbiert wurde, droht für 2026 eine Dividendeneinbuße von 0,60 bis 0,70 Euro je Aktie. Die detaillierten Zahlen zur operativen Entwicklung folgen mit dem vollständigen Quartalsbericht am 30. April, bevor die Hauptversammlung am 27. Mai endgültig über die Gewinnverwendung entscheidet.