Ausgerechnet in seinem letzten Quartal als Vorstandschef liefert Alfred Stern die stärksten Zahlen seit Langem ab. OMV übertrifft im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich – und das in einem Umfeld, das von Nahost-Konflikt und regulatorischen Eingriffen geprägt war. Der Wechsel an der Konzernspitze zu Nachfolgerin Emma Delaney fällt damit in eine Phase sichtbarer operativer Stärke.

Zahlen schlagen Erwartungen deutlich

Das bereinigte operative Ergebnis vor Sondereffekten kletterte auf 1,706 Milliarden Euro – ein Plus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und spürbar über der Analystenschätzung von 1,62 Milliarden Euro. Der bereinigte Periodenüberschuss verdoppelte sich mehr als, auf 929 Millionen Euro, das entsprechende Ergebnis je Aktie stieg auf 2,85 Euro. Auf GAAP-Basis wuchs der Gewinn von 242 auf 529 Millionen Euro, der Umsatz sprang um 39,2 Prozent auf 8,059 Milliarden Euro.

Die Bilanz bleibt dabei solide: Der Leverage-Grad liegt bei niedrigen 19 Prozent, die Nettoverschuldung bei knapp fünf Milliarden Euro.

Chemicals und Fuels als Wachstumstreiber

Alle drei Geschäftsbereiche legten zu, doch die Dynamik unterschied sich deutlich. Chemicals verdoppelte sein Ergebnis nahezu, auf 429 Millionen Euro, angetrieben von kräftigen Preissteigerungen bei Olefinen und Polyolefinen sowie dem im März abgeschlossenen Zusammenschluss zu Borouge International, an dem OMV nun zur Hälfte beteiligt ist. Fuels profitierte von einer mehr als verdoppelten Raffinerie-Referenzmarge und einer Auslastung von 90 Prozent der europäischen Raffinerien, das Segmentergebnis stieg auf 446 Millionen Euro. Energy verzeichnete trotz eines Rückgangs der Fördermenge um 4 Prozent ein Plus von 50 Prozent auf 885 Millionen Euro – höhere Marktpreise kompensierten die konfliktbedingten Produktionsausfälle im Nahen Osten.

Als operative Meilensteine des Quartals nennt das Unternehmen den Produktionsstart am Gasvorkommen Wittau, den größten österreichischen Gasfund seit Jahrzehnten, sowie Fortschritte beim Offshore-Projekt Neptun Deep der Tochter OMV Petrom.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet OMV mit einem Brent-Preis zwischen 85 und 95 US-Dollar je Barrel und einer Kohlenwasserstoffproduktion von 280 bis 290 Tausend Barrel Öläquivalent pro Tag – vorbehaltlich einer möglichen Lockerung der Schifffahrtsbeschränkungen in der Straße von Hormus. Die Investitionen sollen bei rund 3,4 Milliarden Euro liegen, die Raffinerieauslastung in Europa weiterhin über 90 Prozent bleiben.