Der österreichische Energie- und Chemiekonzern OMV treibt die Neuausrichtung seiner Energieerzeugung voran und setzt dabei auf eine zweigleisige Aufstellung. Während im traditionellen Upstream-Bereich neue Vorkommen gehoben werden, übernimmt der Konzern bei zukunftsgerichteten Projekten wie grünem Wasserstoff auch ohne Partner das Steuer.
An den Kapitalmärkten spiegelt sich diese Doppelstrategie in einer stabilen Verfassung wider: Vorbörslich notiert der Titel bei 70,95 Euro und liegt damit nur 3,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 73,35 Euro.
Wasserstoffprojekt in Österreich geht in Eigenregie weiter
Ein zentraler Baustein der Transformation bleibt der Einstieg in die industrielle Wasserstoffproduktion. Nach dem Ausstieg des bisherigen Partners Masdar hat sich OMV dazu entschlossen, das geplante Großprojekt am Standort Bruck an der Leitha allein fortzuführen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am 18. September. Das Vorhaben umfasst ein geplantes Investitionsvolumen von rund 600 Millionen Euro.
Die geplante Elektrolyseanlage soll auf eine Leistung von 140 Megawatt ausgelegt werden. Nach vollständiger Inbetriebnahme ist eine Jahresproduktion von bis zu 23.000 Tonnen grünem Wasserstoff vorgesehen. Dass OMV die finanzielle Last dieses Infrastrukturprojekts nun vollständig auf die eigenen Schultern nimmt, verdeutlicht die Priorität, die dem Aufbau CO2-armer Produktionskapazitäten im Heimatmarkt beigemessen wird.
Bestätigte Wirtschaftlichkeit im Sirte-Becken
Flankiert wird diese industrielle Neuausrichtung weiterhin durch das klassische Fördergeschäft, das als verlässlicher Ertragsbringer fungiert. Im nordafrikanischen Fördergebiet vermeldete der Konzern am 16. September operative Fortschritte: OMV stufte gemeinsam mit der libyschen National Oil Corporation den Ölfund „Essar“ im Sirte-Becken offiziell als kommerziell wirtschaftlich ein.
Das betreffende Feld liegt im Konzessionsgebiet C 103, an dem OMV einen Anteil von 12 Prozent hält. Nach den Berechnungen des Konzerns belaufen sich die förderbaren Ressourcen auf bis zu 45 Millionen Barrel. Sobald die Erschließungsarbeiten abgeschlossen sind, soll die Bruttoförderkapazität des Feldes ein Niveau von rund 6.000 Barrel Öl pro Tag erreichen.
Solide Balance stützt die Entwicklung
Für Anleger zeigt sich in der Kombination beider Vorhaben das strategische Profil von OMV. Die Bestätigung neuer Reserven in traditionellen Fördergebieten sichert mittelfristig den Cashflow, der wiederum für großvolumige Eigeninvestitionen in erneuerbare Energieträger benötigt wird.
Dass OMV selbst 600 Millionen Euro schwere Transformationsprojekte im Alleingang stemmt, unterstreicht den finanziellen Handlungsspielraum. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Wertzuwachs von 50 Prozent, gestützt durch die operative Umsetzung in beiden Geschäftsbereichen.
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