Die Aktie der OMV hat am Freitag mit 72,30 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch markiert und damit ihre beeindruckende Kursrally fortgesetzt. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Plus von 52 %.
Während der Konzern von den massiv steigenden Ölpreisen profitiert, warnen Analysten von Goldman Sachs jedoch vor der aktuellen Bewertung und geben für den Titel ein Verkaufsvotum ab. Die Kursentwicklung wird dabei maßgeblich von der prekären Lage im Nahen Osten und einer drohenden Verknappung des weltweiten Ölangebots befeuert.
Eskalation im Nahen Osten gefährdet Ölversorgung
Hintergrund des rasanten Kursanstiegs ist eine dramatische Zuspitzung der Sicherheitslage in den wichtigsten Öl-Exportregionen. Die Huthi-Rebellen kontrollieren seit gestern die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer sowie strategisch wichtige Inseln in der Meerenge Bab al-Mandab, über die rund 15 % des Welthandels abgewickelt werden. Parallel dazu musste Saudi-Arabien seine 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen aus dem Irak vorsorglich stilllegen.
Diese Pipeline gilt als entscheidende Umgehungsroute für die Straße von Hormus und verfügt über eine Kapazität von bis zu 7 Millionen Barrel pro Tag. Analysten von Reuters zufolge sind damit bis zu 4 % der weltweiten Ölversorgung unmittelbar bedroht.
In der Folge stieg der Preis für die Sorte Brent am Freitag zeitweise auf fast 110 US-Dollar pro Barrel. Experten von Capital Economics halten eine Fortsetzung der Preissteigerung auf bis zu 120 US-Dollar für möglich, sollte sich die Blockade an den Seewegen verfestigen.
OMV Petrom investiert in Modernisierung und Speicher
Während die Muttergesellschaft von den hohen Rohstoffpreisen profitiert, treibt die Tochtergesellschaft OMV Petrom die Modernisierung ihrer Infrastruktur voran. Rund 115 Millionen Euro fließen in die Erneuerung der Elektroinfrastruktur der Raffinerie Petrobrazi.
Das Projekt umfasst unter anderem den Bau einer neuen Hochspannungsleitung sowie den Einsatz moderner Blue-GIS-Technologie. Zusätzlich plant OMV Petrom am rumänischen Solarpark Ișalnița ein Batteriespeichersystem mit einer Kapazität von 40 Megawattstunden, um die Erzeugung aus erneuerbaren Energien effizienter zu nutzen.
Diese Investitionen finden in einem Umfeld statt, in dem die Inflation durch steigende Energiekosten erneut angeheizt wird. Wifo-Chef Felbermayr rechnet für das laufende Jahr mit einer Jahresinflation von über 3,0 %. An den Tankstellen erreichte die Belastung für Verbraucher am heutigen Sonntagmittag neue Höchststände: Diesel kostete in der Spitze bis zu 2,60 Euro pro Liter, Benzin der Sorte E10 wurde für bis zu 2,45 Euro gehandelt.
Analysten-Skepsis trotz operativer Stärke
Trotz des rückenwindstarken Marktumfelds und des operativen Momentums — der Kurs legte seit dem Führungswechsel bei OMV am vergangenen Dienstag um weitere 2,8 % zu — bleibt Goldman Sachs skeptisch. Die Analysten mahnen zur Vorsicht und verweisen auf die Risiken einer Überbewertung nach der jüngsten Rekordjagd. Zum Wochenschluss notierte die Aktie bei 71,85 Euro und damit nur noch knapp 0,6 % unter ihrem am Freitag markierten Jahreshöchststand.
Während politische Forderungen nach einem Spritpreisdeckel laut werden, wie sie unter anderem Brandenburgs Ministerpräsident Woidke ins Spiel brachte, warnen Wirtschaftsweise wie Monika Schnitzer vor staatlichen Eingriffen.
Für Anleger bleibt die OMV-Aktie damit ein hochvolatiler Profiteur der geopolitischen Krise, dessen weiteres Potenzial eng mit der Dauer der Blockaden im Nahen Osten verknüpft ist. Die am Montag geplanten Gespräche zwischen dem Iran und den Golfstaaten im Oman könnten hier erste Signale für eine Entspannung oder weitere Eskalation liefern.
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