Irritationen über das tatsächliche Umsatztempo von OpenAI haben Halbleiter- und Technologieaktien am Donnerstag spürbar unter Druck gesetzt. Auslöser ist eine Lücke von rund 20 Milliarden Dollar zwischen den jüngsten Umsatzzahlen und früheren Markterwartungen. Der Dämpfer wirft an den Märkten grundlegende Fragen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit des KI-Booms auf.
Die Papiere von Schwergewichten gerieten daraufhin ins Rutschen. Die Aktie von Nvidia verlor mehr als drei Prozent, Intel büßte sechs Prozent ein und die Anteile von Arm gaben sogar um acht Prozent nach. Auch Microsoft und Oracle verbuchten spürbare Kursverluste. Anleger fürchten eine Kettenreaktion: Sollten Software-Anbieter langsamer wachsen als gedacht, drohen auch die Bestellungen bei den Hardware-Herstellern nachzulassen.
Unterschiedliche Berechnungsmethoden dämpfen den Schreck
Hinter der Unruhe steht der annualisierte Umsatz von OpenAI, der Ende September bei knapp 50 Milliarden Dollar lag. Zuvor hatten am Markt Schätzungen von rund 70 Milliarden Dollar die Runde gemacht. Ein annualisierter Wert spiegelt jedoch keinen realisierten Jahresumsatz wider, sondern rechnet die aktuellen Monatserlöse auf ein volles Jahr hoch.
Ein wesentlicher Teil dieser Differenz lässt sich mit den Abrechnungsmodellen erklären. Konkurrent Anthropic rechnet bei seiner hochgerechneten Jahresrate von 65 Milliarden Dollar auch die Erlöse über Cloud-Partner wie Amazon Web Services und Google Cloud voll ein. OpenAI weist derartige Partnerumsätze hingegen nicht als eigene Erlöse aus. Für das Jahresende 2026 peilt das Unternehmen weiterhin eine annualisierte Rate von mindestens 70 Milliarden Dollar an.
Gewaltige Investitionen treffen auf offene Profitabilitätsfragen
Die Debatte berührt einen wunden Punkt der Branche: die immensen Kosten für Rechenleistung. OpenAI stellt sich bis Ende 2030 auf einen kumulierten negativen freien Cashflow von rund 278 Milliarden Dollar ein. Für den Aufbau und Betrieb der nötigen Infrastruktur plant das Unternehmen im selben Zeitraum Ausgaben von 856 Milliarden Dollar ein.
Dass der Hunger nach Rechenleistung ungebrochen ist, zeigen derweil die Zahlen von TSMC. Der weltgrößte Auftragsfertiger steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um 50 Prozent auf umgerechnet rund 46,7 Milliarden Dollar. Die Hardware-Nachfrage läuft damit auf Hochtouren, während auf Anwenderebene der Beweis aussteht, wann die gigantischen Investitionssummen nachhaltige Gewinne abwerfen.
Vor diesem Hintergrund treibt OpenAI eine neue Finanzierungsrunde voran, die mehr als 30 Milliarden Dollar frisches Kapital bei einer Bewertung von 1,4 Billionen Dollar einbringen soll. Einen Börsengang schließt das Unternehmen für 2026 aus, während der Rivale Anthropic die vertraulichen Unterlagen für eine Notierung bereits bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat.
Stand heute, 9. Oktober: Nvidia – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Nvidia investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 9. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.


